Wie soll der öffentliche Verkehr in Nidwalden in die Zukunft fahren?

Beim Amt für Mobilität sind etliche Stellungnahmen zur Strategie des ÖV in Nidwalden eingegangen. Die Grünen befürchten, dass wegen Corona die ÖV-Abgeltung des Kantons erhöht werden muss.

Philipp Unterschütz
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Neben dem kantonalen Amt für Mobilität informierten Ende August Postauto und Zentralbahn an der Verkehrskonferenz ÖV-2020 in Stans über den öffentlichen Verkehr. Im Rahmen der Überprüfung der Nidwaldner ÖV-Strategie 2021 bis 2024 wurden verschiedene Handlungsfelder vorgestellt, zu denen sich Unternehmen, Gemeinden, Behörden und IG bis am 15. Oktober beim Amt für Mobilität äussern konnten.

Ein Postauto unterwegs auf der Strecke von Obbürgen auf den Bürgenstock. Die weitere Erschliessung des Bürgenbergs soll weiterverfolgt werden.

Ein Postauto unterwegs auf der Strecke von Obbürgen auf den Bürgenstock. Die weitere Erschliessung des Bürgenbergs soll weiterverfolgt werden.

Bild: PD

Insgesamt gingen 19 Stellungnahmen ein. Laut Stephanie von Samson, Leiterin des Amts für Mobilität, stammen sechs von Gemeinden. Von zwei weiteren Gemeinden sind noch Stellungnahmen angekündigt. Neben den Gemeinden haben auch Transportunternehmen, Verbände oder Nachbarkantone eine Stellungnahme abgegeben.

Erschliessung des Bürgenbergs soll weiter verfolgt werden

Die erste Auswertung zeige unter anderem, dass die Ausdehnung der Betriebszeiten der S44 Luzern-Stans der Zentralbahn sehr begrüsst werden, um beispielsweise in Luzern mehr Anschlüsse an den Fernverkehr zu ermöglichen, so Stephanie von Samson. Neben der Ausdehnung der S44 stiess der Ausbau des Nachtangebots von Postauto-Linien auf Zuspruch. Auch die Erschliessung des Bürgenbergs wurde mehrheitlich begrüsst und soll weiterverfolgt werden.

«Verständnis zeigte sich bei der Einstellung der Buslinie 313 St. Jakob-Mueterschwandenberg am Wochenende», erklärt Stephanie von Samson. Aufgrund der tiefen Nachfrage am Wochenende und dem Wegfall der betrieblichen Kombination mit der Einführung des Stundentakts auf der PostAuto-Linie 312 Stans-Sarnen sei die Einstellung begründet, gehe aus den Vernehmlassungen hervor.

Interregio-Halt in Hergiswil gefordert

Geteilt waren die Rückmeldungen zur Optimierung der Seelinie 311 Stans-Emmetten, welche mit der Erschliessung des Entwicklungsschwerpunkts Faden zusammenhängt. Eine Verbesserung im Entwicklungsschwerpunkt Faden sei grundsätzlich anzustreben – jedoch nicht zum Nachteil anderer ÖV-Benützer.

«Neben den Stellungnahmen zu den einzelnen Handlungsfeldern wurden langfristige Projekte gefordert, insbesondere ein IR-Halt in Hergiswil für schnelle Verbindungen Nidwalden – Obwalden – Berner Oberland», so Stephanie von Samson weiter.

Kantonale ÖV-Abgeltung könnte wieder steigen

Obwohl die politischen Parteien nicht explizit zur Stellungnahme eingeladen waren, haben die Grünen Nidwalden ihre Meinung kundgetan und auch die Medien mit einer Mitteilung informiert. Sie machen unter anderem darauf aufmerksam, dass vor allem wegen höherer Tourismus-Frequenzen und damit gestiegenen Fahrerträgen der Nidwaldner ÖV-Rahmenkredit die letzten Jahre sukzessive von 9 Millionen auf 8 Millionen Franken pro Jahr und noch tiefer gesenkt werden konnte. Weil Corona bedingt die Touristen wohl noch länger ausbleiben und infolge Verhaltensänderungen würden sich die Erträge nicht so schnell wieder normalisieren, geben die Grünen zu bedenken. «Deshalb muss die staatliche, bestellerseitige ÖV-Abgeltung wieder erhöht werden», schreiben sie.

Auch das Amt für Mobilität rechnet laut Stephanie von Samson damit, dass die Abgeltung im Zusammenhang mit Corona künftig wohl wieder höher ausfallen könnte, weil die Erträge der Transportunternehmen in den nächsten Jahren voraussichtlich tiefer sein dürften. Gründe könnten nicht nur fehlende, ausländische Touristen sein, sondern auch weniger Pendler wegen Homeoffice.

Grüne verlangen bessere Modalsplit-Lösungen

Die Grünen bemängeln zudem, dass der Einbezug des neuen Kantonsbahnhofs in Altdorf in der Strategie fehle. Dieser könnte mit zusätzlichen Anschlüssen neue Möglichkeiten für Pendler bieten. «Die Planung zur Optimierung der Buslinie 310 mit dem Kanton Uri und der PostAuto AG startete bereits vor der Ausarbeitung der ÖV-Strategie. Die Linie ist somit nicht Teil der ÖV-Strategie und wird separat betrachtet», erklärt Stephanie von Samson dazu.

Als «unzureichend in die ÖV-Strategie von Nidwalden integriert» bezeichnen die Grünen auch die Modalsplit-Lösungen. Für ein attraktives ÖV-Angebot seien verschiedene Mobilitätslösungen wie beispielsweise für Velos zu integrieren, sodass die Nutzung möglichst einfach geschehen kann. «Wir wünschen uns eine vermehrte Modalsplit-Strategie mit Lenkungsmassnahmen unter der Führung des Kantons mit Einbezug der Gemeinden und den grössten Arbeitgebern, welche in den Entwicklungsschwerpunkten tätig sind.» Eine Nachfrage ohne Angebot gebe es nicht, weshalb man die Nachfrage nicht isoliert betrachten könne.

2021 befasst sich der Regierungsrat mit der Strategie

In einem nächsten Schritt werden nun die Stellungnahmen geprüft und die ÖV-Strategie durch ein externes Planungsbüro ausgearbeitet. Anfang 2021 soll die ÖV-Strategie 2021–2024 – zusammen mit dem Mengengerüst zum Fahrplan 2022–2023 – dem Regierungsrat unterbreitet werden.

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