«Weisch nu?»
Seit zehn Jahren hat die Mitte Nidwalden eine kleine Schwester

Am 18. August 2012 war die damalige CVP-Bundesrätin Doris Leuthard zu Besuch in Oberdorf – als Taufgotte der neuen Nidwaldner Jungpartei. Diese hat sich etabliert, ist der damalige Gründungspräsident Mario Röthlisberger überzeugt.

Matthias Piazza
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Die damalige CVP-Bundesrätin Doris Leuthard am Gründungsanlass der Jungen CVP Nidwalden, im Hintergrund der damalige Präsident Mario Röthlisberger.

Die damalige CVP-Bundesrätin Doris Leuthard am Gründungsanlass der Jungen CVP Nidwalden, im Hintergrund der damalige Präsident Mario Röthlisberger.

Bild: Nadia Schärli (Oberdorf, 18. August 2012)

Dass Bundesräte Dörfer besuchen, kommt noch am ehesten am Nationalfeiertag vor. Der Anlass des magistralen Besuchs vor zehn Jahren war aber ein anderer. Die damalige CVP-Bundesrätin Doris Leuthard stand Pate bei einem politischen Ereignis. Am 18. August 2012 wurde nämlich in Oberdorf die Jungpartei der CVP gegründet. Damit hatte jeder Zentralschweizer Kanton eine Junge CVP, wie die Junge Mitte damals hiess. Sie hoffe, dass es der jungen Equipe gelinge, alle zu begeistern und davon zu überzeugen, dass Politik etwas Spannendes sei. Man könne viel bewegen, wenn man wolle, sagte Doris Leuthard, die von 2006 bis 2018 Mitglied des Bundesrates war.

Mit von der Partie an der Gründungsversammlung in der Aula Oberdorf war auch Paul Niederberger, damals Nidwaldner CVP-Ständerat. Er freue sich, dass eine Schar junger Leute Flagge zeige. Von einem wichtigen Signal für die Zentralschweiz sprach der damalige Präsident der Jungen CVP Schweiz, Simon Oberbeck. Und André Scherrer, damals Präsident der CVP Nidwalden, ermunterte die Mitglieder der Jungpartei, eigene Interessen zu vertreten, auch wenn sie von der CVP Nidwalden abweichen würden.

«Wir wollen die politische Landschaft aufmischen, uns in der kantonalen Politik und in den Kommissionen einbringen, uns bei Vernehmlassungen äussern, bei Bedarf Initiativen und Referenden lancieren», umriss Gründungspräsident Mario Röthlisberger damals die Ziele.

«Wir konnten junge Leute für die Politik begeistern»

Nun blickt Mario Röthlisberger, mittlerweile Präsident der Mitte Nidwalden und Ennetbürger Gemeinderat und Landrat, auf die ersten zehn Jahre dieser Jungpartei zurück, die er bis 2019 präsidierte und die nun Lukas Waser präsidiert. «Es waren schöne und intensive sieben Jahre, wir konnten junge Leute für die Politik begeistern und auch einiges bewegen.» Auch hätten einige ehemalige Mitglieder der Jungpartei schon Einsitz in politische Ämter genommen. Stefan Hurschler wurde 2014 in den Landrat gewählt, allerdings schaffte er die Wiederwahl 2018 nicht. Mario Röthlisberger selber wurde 2020 in den Ennetbürger Gemeinderat und dieses Jahr in den Landrat gewählt. Joël Odermatt war zwischen 2015 und 2019 Gemeinderat in Buochs, Daniel Krucker ist seit 2014 Gemeinderat in Emmetten und nun auch im Landrat.

Mario Röthlisberger, Präsident der Mitte Nidwalden.

Mario Röthlisberger, Präsident der Mitte Nidwalden.

Bild: PD

Auch mit einer Petition gegen die Reduktion des Angebots von Schwerpunktfächern am Kollegi und für eine bessere Nachtstern-Verbindung zwischen Stans und Luzern hat die Jungpartei von sich reden gemacht. Bei Ersterem allerdings ohne Erfolg, während das Nachtstern-Angebot im vergangenen Dezember ausgebaut wurde. Auch bei einem Postulat zur Einführung einer Abstimmungshilfe für junge Erwachsene in Nidwalden wirkte Stefan Hurschler mit. Die Regierung sprach sich allerdings gegen Easyvote aus.

Kleinere Hemmschwelle als bei «grossen» Parteien

Von vielen anderen Jungparteien hört man nach einiger Zeit nichts mehr, Präsidien bleiben oft über längere Zeit vakant, nicht so bei der Jungen Mitte Nidwalden. «Wir haben ständig versucht, Nachwuchs in die Partei zu holen, sind immer drangeblieben, fragten junge Leute an, mit dem Risiko lästig zu sein, kümmerten uns um mediale Präsenz, auch in den sozialen Kanälen, und pflegten persönliche Kontakte», beschreibt Mario Röthlisberger (29) das Erfolgsrezept.

Für ihn sind Jungparteien das ideale Gefäss, um erste Gehversuche in der Politik zu machen. «Hier sind die jungen Leute unter sich, da ist die Hemmschwelle kleiner als bei einer Mitgliedschaft in einer ‹grossen› Partei, wo der Altersdurchschnitt bedeutend höher ist.» Bei einer Jungpartei haben schon manche politische Karriere gestartet, meint Mario Röthlisberger. «Laura Dittli, die für den Zuger Regierungsrat kandidiert, und ihre Schwester, die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli, oder auch der Urner Nationalrat Simon Stadler waren zur selben Zeit wie ich in der Jungen CVP.»

Auch das machte im August 2012 Schlagzeilen

315 Leute unterschreiben im August 2012 eine Petition. Darin fordern sie den Gemeinderat auf, das Konzept des Pensionsbetriebes des Emmetter Wohnheims Länderhuis zu überarbeiten. Es soll nicht geschlossen werden, bis eine Alternative an zentraler Lage angeboten werden kann. Das Wohnheim könne nur bei einer Vollbelegung der acht Zimmer kostendeckend betrieben werden, argumentierte der Gemeinderat. Dies sei in den vergangenen Jahren nicht mehr der Fall gewesen. 

Nach Jahren der Planung und des Verhandelns ist es am 20. August 2012 so weit. Auf dem Buochser Seefeld fällt der Spatenstich für die Sanierung und Erweiterung des Bootshafens durch die Genossenkorporation Buochs als Bauherrin. 21,5 Millionen Franken kostet das Projekt, das eine Erweiterung auf 320 Wasserstandplätze und zehn neue Wohnungen beinhaltet. 

Umbaulärm und Behinderungen gehören der Vergangenheit an. Für 3,5 Millionen Franken wurde der Bahnhof Sachseln umgebaut. Die Perronanlage wurde an die neuen, bis zu 190 Meter langen Brünig-Züge angepasst. Die Fahrgäste können ebenerdig in die Niederflurzüge einsteigen. Zum niveaufreien und rollstuhlgängigen Bahnhof trägt auch die neue Unterführung bei. (map)