Stanser Musiktage
Apéro im Chäslager ermöglicht geselligen Austausch unter ukrainischen Kriegsflüchtlingen

Die Anwesenden genossen die Gespräche mit ihren Landsleuten. Das anschliessende Konzert des Gori-Frauenkammerchors begeisterte über 30 Ukrainerinnen und Ukrainer.

Manuel Kaufmann
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In welchem Dorf wohnt ihr? Wie kommt ihr mit der Sprache zurecht? Wie lange hat es bei euch gedauert, bis ihr eine Bankkarte erhalten habt? Es sind Fragen, über die viele ukrainische Kriegsflüchtlinge wohl gerne mit ihren Landsleuten diskutieren würden. Speziell mit jenen, die im selben Kanton Unterschlupf gefunden haben. Um einen solchen ungezwungenen Austausch zu ermöglichen, organisierte Candid Wild, Co-Leiter der Stanser Musiktage, am Donnerstagabend im Stanser Chäslager einen Apéro für ukrainische Kriegsflüchtlinge aus Nidwalden.

Ungezwungener Austausch beim Vernetzungsapéro für Ukrainerinnen und Ukrainer im Chäslager.

Ungezwungener Austausch beim Vernetzungsapéro für Ukrainerinnen und Ukrainer im Chäslager.

Bild: Manuel Kaufmann (Stans, 28. April 2022)

Die Zahl der anwesenden Ukrainerinnen und Ukrainern blieb während des Apéros im tiefen zweistelligen Bereich. Die Anwesenden genossen das Angebot trotzdem. «Es ist schön, sich mit anderen Menschen aus der Ukraine auszutauschen», sagt eine Ukrainerin auf Englisch. Zusammen mit ihrem Partner ist sie für den Apéro von Sachseln nach Stans gereist. Seit etwas mehr als einem Monat sind die beiden in der Schweiz. Viele Gelegenheiten, sich mit anderen Kriegsflüchtlingen auszutauschen, hatten sie noch nicht. «Wir treffen andere Ukrainerinnen und Ukrainer sonst nur vereinzelt im Deutschkurs oder in der Kirche», so die Ukrainerin, die lieber nicht mit Namen erwähnt werden möchte.

Candid Wild, Co-Leiter der Stanser Musiktage.

Candid Wild, Co-Leiter der Stanser Musiktage.

Bild: Manuel Kaufmann

Vor Ort war auch Organisator Candid Wild. «Wir wollen den Flüchtlingen die Möglichkeit bieten, miteinander in Kontakt zu kommen, sich zu vernetzen», sagte Wild, der selbst eine schutzsuchende Familie bei sich aufgenommen hat. Da er eine Zeit lang in Russland gelebt hatte, spricht er, wie fast alle Ukrainerinnen und Ukrainer, fliessend Russisch. «Wir können problemlos miteinander reden, und da sie auch Englisch sprechen, können sie sich in der Schweiz mit vielen Menschen verständigen», so Wild. Trotzdem habe er gemerkt, dass der Austausch mit anderen Familien aus der Ukraine fehlte.

Enttäuscht, dass das Angebot nicht so rege genutzt wurde, war Candid Wild nicht. Im Vorfeld hatte man keine Ahnung, wie viele Menschen teilnehmen würden. Man habe mit allem zwischen 5 und 50 Teilnehmenden gerechnet.

Gori-Frauenkammerchor zog viele Ukrainerinnen und Ukrainer an

Nach dem Apéro trat der Gori-Frauenkammerchor aus Georgien in der Stanser Pfarrkirche auf. «Das Konzert hat nicht direkt etwas mit dem Apéro zu tun», sagte Candid Wild. «Wir haben aber gedacht, dass es passen könnte, wenn wir das Treffen vor dem Konzert dieser Gruppe aus dem postsowjetischen Raum durchführen», so Wild. Tatsächlich scheinen die Musikerinnen und Musiker aus Georgien das Interesse der Geflüchteten geweckt zu haben. Über 30 Personen aus der Ukraine besuchten am späteren Abend die Pfarrkirche, um den Gesängen des Chors zu lauschen.

Im Zeichen der ukrainischen Kriegsflüchtlinge steht dieses Jahr auch das Sponsoringgefäss der Stanser Musiktage «250 pro SMT». Das ganze Geld, das zwischen dem 5. April und dem 5. Mai über dieses Gefäss hereinkommt, wird den Kindern und Jugendlichen der ukrainischen Flüchtlinge in Nidwalden für Freizeit und Bildung zur Verfügung gestellt.