Stans
«Wegweisendes Projekt»: VCS ehrt Fliegersiedlung

Gut einen Drittel weniger Parkplätze als üblich: Nicht nur dafür ehrt der VCS die Fliegersiedlung mit der Auszeichnung für Mensch und Umwelt.

Matthias Piazza
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WBG-Stans-Präsident Kilian Duss (links) erhält von Daniel Daucourt, Geschäftsführer VCS OW/NW, die VCS-Auszeichnung.

WBG-Stans-Präsident Kilian Duss (links) erhält von Daniel Daucourt, Geschäftsführer VCS OW/NW, die VCS-Auszeichnung.

Bild: Urs Hanhart (Stans, 14. November 2022)

Nur 2000 Watt Dauerleistung pro Person. Das hat sich die Stanser Fliegersiedlung auf die Fahne geschrieben und dafür wurde sie im Januar 2021 auch zertifiziert – als erste solche Siedlung im Kanton Nidwalden.

Die VCS-Auszeichnung.

Die VCS-Auszeichnung.

Bild: Urs Hanhart (Stans, 14. November 2022)

Beeindruckt von dieser Pioniersiedlung ist auch die Ob- und Nidwaldner Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), der dies mit der VCS-Auszeichnung für Mensch und Umwelt ehrt. «Das Neubauprojekt Fliegersiedlung ist aus unterschiedlichen Gründen wegweisend», sagte Daniel Daucourt, Geschäftsführer der VCS-Sektion Ob-/Nidwalden, an der Übergabe am Montagabend. Verdichtete Bauweise, tiefer Energieverbrauch und normale Mietpreise für Jung und Alt sowie Familien seien einerseits schon sehr lobenswert. «Relevant war für uns jedoch vor allem, dass die Siedlung autoarm realisiert wurde. Rund ein Drittel weniger Parkplätze für Bewohnende als üblich wurde realisiert. So kann man kostengünstiger bauen und tiefere Mieten verlangen, nachhaltige Mobilitätskonzepte fördern, wie etwa Velos, Leihvelos, Cargo-Velos oder Mobility.»

Weiter sei das Leben mit weniger Autos – oder sogar ohne – energieeffizient und ein wichtiger Schritt zur 2000-Watt-Gesellschaft. «Schlussendlich ist das Leben ohne eigenes Auto nun im Trend, und dies nicht nur in Grossstädten.» Und verkehrspolitisch betrachtet sei eine Reduktion des Parkplatzangebotes ein sehr effizientes Mittel gegen Stau und wirke sich positiv auf die angestrebte Verkehrsentlastung im Dorf aus.

«Klar sind in Nidwalden nicht alle Standorte für autofreies oder autoarmes Wohnen geeignet, aber im Zentrum von Stans – dazu noch in Bahnhofsnähe – war das Umfeld dafür perfekt.» Der VCS hoffe auf Nachahmer, denn es gebe weitere in Frage kommende Standorte in Nidwalden.

Die ersten zwei der insgesamt sechs neuen Mehrfamilienhäuser bei der Tottikonstrasse wurden schon im März 2021 bezogen. Die vier Häuser der zweiten Etappe an der Büntistrasse werden zwischen Frühling und Sommer 2023 bezugsbereit sein.

Keine Parkplatznot

Im Schnitt stehen pro Wohnung nur etwa 0,8 Parkplätze zur Verfügung statt der üblichen 1,3. Die Rechnung geht gemäss Kilian Duss, Präsident der ausführenden Wohnbaugenossenschaft Stans (WBG), auf, auch wenn in Ausnahmefällen einige Paare oder Familien zwei Autos haben. «Viele Mietende haben kein Auto, auch weil der Bahnhof gleich nebenan ist.»

In der Energiebilanz des 2000-Watt-Areals wurden auch Treibhausgasemissionen und Herstellungsenergie aller Baumaterialen berücksichtigt. So kommt Recycling-Beton zum Einsatz. Dabei wird Naturkies ganz oder teilweise durch Bauschutt ersetzt. Steinwolle statt Kunststoff und Kalkanstrich statt normaler Farbe sorgen für eine bessere Fassadendämmung. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, welche die Wärme aus dem Wasser im Untergrund bezieht, mit Strom von der Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Sie liefern dereinst gut einen Drittel des Energiebedarfs für die Siedlung, der Rest wird Strom aus Schweizer Wasserkraft sein.