STANS: Seilbahnexperten Doppelmayr/Garaventa und Frey AG spannen zusammen

Die Frey AG Stans wird von der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe übernommen. Die rund 100 Mitarbeiter werden übernommen, der Werkplatz in Stans-Oberdorf bleibt bestehen.

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Die Frey AG ist unter anderem verantwortlich für die Elektronik der Cabrio-Bahn der Stanserhorn-Bahn. Peter Frey (rechts), der ehemalige Inhaber der Frey AG sieht, sich auf dem Bild zusammen mit Projektleiter Markus Christen den Maschinenraum an. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 5. Juni 2012))

Die Frey AG ist unter anderem verantwortlich für die Elektronik der Cabrio-Bahn der Stanserhorn-Bahn. Peter Frey (rechts), der ehemalige Inhaber der Frey AG sieht, sich auf dem Bild zusammen mit Projektleiter Markus Christen den Maschinenraum an. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 5. Juni 2012))

Rückwirkend auf den 1. April 2017 wird die im Bereich Seilbahnsteuerungsanlagen spezialisierte Frey AG Stans neues Mitglied der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe. Dieser Schritt erfolgt im Zuge der Nachfolgeregelung von Peter Frey, dem Alleinaktionär der Frey Holding AG. Mit dem Zusammenschluss wird eine vor zwei Jahren eingegangene Partnerschaft weitergeführt, in der die beiden Gruppen zur Entwicklung neuer Technologieprodukte kooperierten.

Die Übernahme habe sich aber erst in den letzten Monaten entwickelt, erklärt Garaventa-CEO István Szalai: «Wir haben uns durch die Kooperation besser kennen gelernt, daraus entwickelte sich der Zusammenschluss.» Über den Übernahmepreis haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Für die rund 100 Mitarbeitenden der Frey AG sowie für den Werkplatz Stans-Oberdorf soll sich nichts ändern, versichert Szalai: «Die Frey-Mitarbeitenden verfügen über grosse Fachkompetenz und sind motiviert – darauf verzichten wir nicht.» Abhängig vom Markt sei es auch möglich, dass am Standort Stans auch neue Stellen dazukommen, so Szalai weiter. Auch die Marke Frey AG Stans soll bestehen bleiben.

Auch Tochtergesellschaft wird übernommen

Nicht nur der Standort in Stans-Oberdorf wird übernommen, auch die Betriebsstätte in Markt Schwaben bei München ist Teil des Zukaufs. Dort befindet sich Freys Tochtergesellschaft, die Frey FUA AG. Nicht betroffen von der Übernahme bleibt die Frey Austria GmbH, die sich vollständig abkoppelt und in Zukunft selbstständig operieren wird. Neuer Verwaltungsratspräsident der Frey AG Stans ist Thomas Pichler, Geschäftsführer bei Doppelmayr. Ebenfalls im Verwaltungsrat Einsitz nehmen Garaventa-Chef István Szalai als Mitglied sowie Hansruedi Schleiss, Chef der Frey AG Stans, als Delegierter des Verwaltungsrats. Peter Frey erhält ein Beratungsmandat und wird die Frey FUA AG weiter betreuen.

Für die österreichische Doppelmayr ist die Übernahme der Frey AG bereits der zweite Zukauf in der Zentralschweiz: 2002 wurde die Garaventa AG mit Niederlassungen in Rotkreuz und Goldau übernommen. Garaventa ist für sämtliche Seilbahnprojekte in der Schweiz verantwortlich. Die Firma hat in der Zentralschweiz aber nicht nur eingekauft, sondern auch verkauft: Die Tochtergesellschaft Doppelmayr Aufzüge AG wurde 2003 zu 100 Prozent von Schindler übernommen und im Mai 2012 in das Unternehmen integriert.

Doppelmayrs Geschäfte in der Zentralschweiz

Die Frey AG Stans ist nach eigenen Angaben Marktführer in der Planung und der Herstellung von Seilbahnsteueranlagen. Jährlich werden vom Nidwaldner Unternehmen bis zu 40 Seilbahnsteuerungen gebaut. Das Unternehmen feierte letztes Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe unterhält Produktionsstandorte sowie Vertriebs- und Serviceniederlassungen in über 30 Ländern und ist weltweit ebenfalls Marktführer in der Seilbahnbranche. Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 2670 Mitarbeiter. 2015/16 erwirtschaftete sie einen Umsatz von 834 Millionen Euro.

Das Unternehmen sorgte im Januar für Schlagzeilen, als ein Grossprojekt in Venezuela gestoppt wurde, da das Land zahlungsunfähig ist. Doppelmayr hatte erst kürzlich eine Firma in Venezuela gegründet, um die Versorgung bestehender Seilbahnen in Caracas und Merida mit Ersatzteilen sicherzustellen. Stadtseilbahnen sind ein wachsendes Feld, besonders in Südamerika, wo oft grosse Höhenunterschiede überwunden werden müssen. Solche urbanen Seilbahnanlagen gehören zu jenen Geschäften, mit denen die Frey AG durch den Zusammenschluss mit der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe rechnet.

Federico Gagliano

federico.gagliano@luzernerzeitung.ch