Stans
Experten verraten: Allein in Nidwalden leben rund 15 Fledermausarten

Tierfreunde lauerten am Samstag in Stans Fledermäusen auf. Diese hören Spinnen, fressen im Dunkeln und halten Winterschlaf.

Richard Greuter
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Nein: Eine gewaltige Schönheit ist sie beim ersten Anblick nicht. Doch die Fledermaus mit ihren grossen Ohren und den mit Haut bespannten Flügeln kann je nach Art auch niedlich wirken. In der Bevölkerung und vor allem bei Tierschützern geniesst das Flattertier einen hohen Stellenwert und ist auch bundesrechtlich geschützt.

Gerade die Kinder zeigten grosses Interesse an den Fledermäusen.

Gerade die Kinder zeigten grosses Interesse an den Fledermäusen.

Bild: Richard Greuter (Stans, 18. Juni 2021)

Am «Tag der Natur» nahmen etwa 12 Personen und einige Kinder die Gelegenheit wahr, um mehr über dieses Säugetier zu erfahren. Im Stanser Gnappiried bot sich am Freitagabend die Chance, Interessantes über die Lebensweise dieser Nachtflatterer zu erfahren. Alex Theiler gilt als Experte, befasst sich schon seit rund 30 Jahren mit Fledermäusen und ist im Fledermausschutz Uri, Obwalden und Nidwalden tätig. Michèle Odermatt arbeitet erst seit kurzem für den Fledermausschutz.

«Die Fledermaus», so erklärte es Michèle Odermatt, «ist dem Mensch ähnlicher als wir denken.» Die vierfache Mutter berichtete in kurzen Zügen Wissenswertes über diese Tiere. In der Schweiz seien 30 Fledermausarten bekannt. Davon existieren rund 15 in Nidwalden. Einige Fledermausarten leben in Dachstöcken, eher kleinere Arten nutzen Spalten, in die sie reinkriechen können. Als Beispiel nannte die 38-Jährige die Kirche Buochs, wo im Dachstock etwa 350 Fledermäuse leben. Allerdings nur im Sommer. Für den Winterschlaf verkriechen sich die Flattertiere in Felsspalten. Wie Michèle Odermatt berichtet, befinden sich die Weibchen zur Zeit im Wochenbett. Da bringen sie ihre Jungen auf die Welt und ziehen sie während vier Wochen mit ihrer Muttermilch auf.

Das einzige Säugetier, das fliegen kann

All diese Informationen fanden reges Interesse. «Ich finde die Fledermaus spannend», erklärte der 63-jährige Reto Stähli aus Hergiswil und erwähnte die Ultraschall-Ortung. «Die Fledermaus ist das einzige Säugetier das fliegen kann», ergänzte Sohn Jérôme. Er habe schon einiges über Fledermäuse in Vorlesungen erfahren, betonte der 25-jährige Biologiestudent. «Die kleinen Tiere mit den grossen Flügeln faszinieren mich», sagte Luzia Winter aus Weggis. «Wir beschäftigen uns sehr mit der Natur», so ihr Ehemann Christian Winter. Dabei verriet er, dass sie im nächsten Jahr auf der Rigi einen ähnlichen Anlass organisieren möchten.

Das Graue Langohr macht seinem Namen alle Ehre. Es ist in der Schweiz eher selten.

Das Graue Langohr macht seinem Namen alle Ehre. Es ist in der Schweiz eher selten.

Bild: Elias Bader / fledermausschutz.ch

Dass die Fledermäuse nachtaktiv sind, ist wohl jedem bekannt. Brisant ist aber ihr Orientierungssystem, über deren Funktion Alex Theiler informierte. Diese Fähigkeiten ermöglichen es der Fledermaus, ihre Hindernisse aber auch Insekten, Käfer, Spinnen und Nachtfalter in der Dunkelheit zu erkennen. Dabei sendet sie Ultraschallwellen aus, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Diese werden vom Gegenüber reflektiert. Dies sei wichtig betonte Theiler. Die Fledermaus ist ein Vielfrass und benötigt Nahrung, die ein Drittel ihres Körpergewichtes wiegt. Die Besucher der Fledermaus-Exkursion erhofften sich einige Fledermäuse zu beobachten. Allerdings verrieten die sorgenvollen Blicke der beiden Experten wenig erfreuliches.

Der Himmel verdunkelte sich immer mehr und plötzlich prasselte ein starker Gewitterregen auf das Gnappiried nieder. An ein Beobachten war kaum mehr zu denken. Doch wie sich die Schleusen öffneten so schlossen sie sich bald wieder. Die Geduldigen, die trotz Gewitterregen bis zuletzt ausharrten, wurden mit einer regen Flugtätigkeit belohnt. Hörbar flatterten die Säugetiere am Himmel umher und verschwanden dann wieder. Mit elektronischen Geräten konnten die beiden Fachleute die Töne der Tiere für das menschlichen Ohr hörbar machen. Bei Beobachtungen eine wertvolle Hilfe.

Tag der Natur

Tier- und Pflanzenfreunde kamen am Wochenende voll auf ihre Kosten. Am 18. und 19 Juni wurde in Nidwalden der Zentralschweizer Tag der Natur gefeiert. Über 50 Experten aus der ganzen Schweiz erforschten während 24 Stunden die Biodiversität in der Region. In diesem Rahmen fanden mehrere Anlässe statt, bei denen die Experten der Bevölkerung Fragen beantworteten und ihr Wissen vermittelten. Die Fledermausbeobachtung mit dem Fledermausschutz Nidwalden war Teil dieser Veranstaltungsreihe.