Regierungsratswahlen Nidwalden
Judith Odermatt: «Sehr gerne würde ich mich für den ganzen Kanton einbringen»

Die Oberdorfer Gemeindepräsidentin Judith Odermatt kandidiert als Regierungsrätin. Für sie eine logische Fortsetzung ihrer politischen Karriere.

Matthias Piazza
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Regierungsratskandidatin Judith Odermatt beim Kreisel in Oberdorf mit dem Nidwaldner Schlüssel, eine Erinnerung an die Iheimisch 2012.

Regierungsratskandidatin Judith Odermatt beim Kreisel in Oberdorf mit dem Nidwaldner Schlüssel, eine Erinnerung an die Iheimisch 2012.

Bild: Urs Hanhart (21. Januar 2022)

«Ich sage zum jetzigen Zeitpunkt weder Ja noch Nein. Ein solcher Entscheid muss gut überlegt sein und es müssen einige Gespräche mit der Partei und der Familie geführt werden.» Dies sagte Judith Odermatt im September 2017 zu einer möglichen Regierungsratskandidatur für die Wahlen 2018, als zwei Regierungsräte ihren Rücktritt ankündigten. Sie kandidierte nicht. Zu einem späteren Zeitpunkt würde sie so ein Exekutivamt auf kantonaler Ebene durchaus reizen, meinte sie damals vielsagend. Und nun, vier Jahre später, tritt die 58-jährige Oberdorferin für die FDP als Regierungsratskandidatin an.

Wieso der Meinungsumschwung? «Vor vier Jahren war die Zeit noch nicht reif, ich wollte noch mehr Exekutiverfahrung als Gemeindepräsidentin sammeln und die vielen Projekte zum Abschluss bringen oder zumindest weiter vorantreiben», sagt Judith Odermatt, die seit 2012 im Oberdorfer Gemeinderat ist, den sie seit 2014 präsidiert. In ihrer bisherigen Amtszeit wurden beispielsweise die Wilstrasse saniert, die neue Wertstoffsammelstelle vom Volk gutgeheissen und die Überbauung Dorflaube beim ehemaligen Parkplatz hinter dem Landsgemeindeplatz projektiert.

Stolz sei sie auf die Fortschritte im kantonalen Hochwasserschutzprojekt Buoholzbach, an dem die Gemeinde Oberdorf massgeblich mitgearbeitet habe. «Wir haben erreicht, dass die dort ansässigen Betriebe nicht ausgesiedelt werden müssen.» Besonders wertvoll seien zudem die positiven Effekte des Projekts auf die nun mögliche bauliche Entwicklung der Gemeinden Stans und Stansstad, weil durch die wegfallenden Gefahren die roten Zonen reduziert werden können. Als Zugabe erhalte die Bevölkerung eine weitere Naherholungszone am Aawasser.

«Ich arbeite auch gerne im Team und mag Menschen»

«Als Politikerin kann ich Dinge mitgestalten und vorantreiben», begründet Odermatt ihr Engagement als Gemeindepräsidentin. «Sehr gerne würde ich mich zukünftig für die weitere Entwicklung des Kantons Nidwalden einsetzen», sagt sie zu ihrer Regierungsratskandidatur, wofür für sie jetzt der richtige Zeitpunkt sei. Das politische Rüstzeug habe sie. «Ich kenne die Prozesse und bin es gewohnt, Probleme anzugehen, den Dialog zu führen und Lösungen zu finden. Jede Gemeinde hat unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse. Diese unter einen Hut zu bringen, traue ich mir zu.»

Vernetzen und kommunizieren gehörten zu ihren Stärken. «Ich arbeite gerne im Team und mag Menschen», meint Judith Odermatt, die ihre Kindheit in Alpnach und Stansstad verbrachte und nach Zwischenstationen in Stans, Stansstad und Beckenried in Oberdorf sesshaft wurde. An der Fasnacht 2017 waren sie und ihr Mann Frohsinnpaar. Auch darum kenne man sie über die Gemeindegrenzen hinaus. «Ich liebe Konzerte und Theaterbesuche und komme viel im Kanton herum», sagt die Mutter zweier erwachsener Töchter und Grossmutter dreier Grosskinder. «Meine Familie unterstützt mich bei meiner Regierungsratskandidatur und freut sich, dass ich diesen Schritt wage.» Dass das Amt arbeitsintensiv werde, sei ihr bewusst. Es gelinge ihr ja bereits heute, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Die Bekämpfung des Fachkräftemangels sei zentral

Ein grosses Anliegen als mögliche Regierungsrätin sei ihr die Sicherstellung genügend qualifizierter Arbeitskräfte. «Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in Pension. Das bedeutet, dass schon innerhalb der nächsten Jahre mehr aus dem Arbeitsleben ausscheiden als neu in den Beruf einsteigen. Sie werden uns als Fachkräfte fehlen. Wir müssen Strukturen und Rahmenbedingungen schaffen, damit Mütter ins Berufsleben zurückkehren können und mehr junge Leute den Stellenwert einer Berufslehre begreifen. Hier steht nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die öffentliche Hand in der Pflicht.»

Dass gleich sechs Neue für die zwei Sitze kandidieren, empfindet Odermatt nicht als Nachteil. «So haben die Wählerinnen und Wähler eine echte Auswahl. Mit meiner Erfahrung als Gemeindepolitikerin und meinem Leistungsausweis stelle ich mich dem Wettbewerb. Natürlich sei ihr bewusst, dass sie als Neuling die Direktion nicht wählen könne. Sollte es keine Rochade geben und die fünf Bisherigen wiedergewählt werden, stünden die Baudirektion und die Finanzdirektion zur Wahl. «Als Gemeindepräsidentin habe ich mit beiden Direktionen intensiv zu tun. Der Aufgabenbereich der Baudirektion ist sehr vielseitig und interessant. Bei der Finanzdirektion erhält man Einblick in die Aktivitäten aller Direktionen und somit den Überblick.» Grundsätzlich traue sie sich jede der sieben Direktionen zu. «Ich lerne gerne dazu, kann zuhören und bin überzeugt, auf die Unterstützung engagierte Fachleute in den Direktionen zählen zu können.»

In der Politik sind die Wege länger, ein Geschäft wird im Parlament beraten und dreht vielleicht mehrere Runden. «Solche politischen Prozesse muss man aushalten können. Wichtig ist, dass die Regierung ein Geschäft gut vorbereitet und den Landrat sowie andere wesentliche Interessengruppen rechtzeitig mit ins Boot holt. Am Schluss geht es darum, mehrheitsfähige, nutzenstiftende Lösungen zu erreichen.»

Liberales Gedankengut spiele immer mit

Auch wenn in einem Exekutivamt wie dem Regierungs- oder Gemeinderatsamt Sach- und nicht Parteipolitik im Vordergrund stehe, spiele das liberale Gedankengut immer mit. «Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, Freiheit ist ein sehr wichtiges Gut. Darum fühle ich mich bei der FDP in der richtigen Partei.» Sie wäre übrigens nicht die erste Regierungsrätin in der Familie. Der Grossvater ihres Mannes, Otto Odermatt (1891–1962), war für die Liberalen im Oberdorfer Gemeinderat, dann im Landrat und machte sich als Regierungsrat vor allem als Landwirtschaftspolitiker einen Namen. Unter anderem initiierte er die Melioration der Drachenried-Ebene in Ennetmoos.

Judith Odermatt bei ihrer Nominierung.

Judith Odermatt bei ihrer Nominierung.

Bild: Roger Zbinden (Stans, 13. Januar 2022)

Auch Judith Odermatt wäre 2018 fast Landrätin geworden, bei der zweiten Kandidatur vor vier Jahren verpasste sie die Wahl um bloss zehn Stimmen. «Es wurmte mich schon, dass ich die Wahl so knapp verfehlte. Unter dem Strich kam es heraus, wie es kommen musste», blickt sie zurück. «Als Landrätin hätte ich mich als Bindeglied zwischen meiner Gemeinde, die ich weiterhin präsidiert hätte, und dem Kanton gesehen.» Dies sei der Grund, warum sie auch diesmal wieder für den Landrat kandidiere. Eine Prognose, wie es für sie am 13. März herauskomme, wage sie nicht zu machen. Klar ist für sie: «Der Wahltag wird für mich emotional sein, egal wie das Ergebnis ausfällt.»

Hinweis: Mehr Informationen unter: www.judithodermattfallegger.ch

Diese drei Fragen stellen wir allen Nidwaldner Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten

Wo soll der Kanton aktiver werden in Sachen Klimapolitik? 
Nidwalden hat in Sachen Klimapolitik im Vergleich mit anderen Kantonen noch Potenzial. Es fehlt an konkreten Klimazielen, Vorschriften zur Steigerung der Sanierungsrate und zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Um Klimaziele zu erreichen und Vorschriften durchzusetzen, werden sie idealerweise mit Anreizen gekoppelt. Sie erhöhen die Akzeptanz, reduzieren die Umsetzungszeit und optimieren ihre Wirkung. Solche Massnahmen sind als Investition zu verstehen. Sie stärken jedoch mittelfristig die Attraktivität des Kantons Nidwalden und dienen dem Schutz unserer Umwelt.

Soll die Tieferlegung der Zentralbahn weiterverfolgt werden oder nicht? 
Eine gute Infrastruktur ermöglicht Mobilität. Dass der Verkehr möglichst störungsfrei abläuft und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel eine vorzügliche Alternative zum Individualverkehr darstellt, ist von entscheidender Bedeutung für eine Entlastung. Hierzu hätte eine Tieferlegung der ZB bereits vor Jahren beigetragen. Wir sollten uns nicht von den Kosten abschrecken lassen, sondern den daraus resultierenden nachhaltigen Nutzen für die nach uns folgenden Generationen in den Fokus rücken. Ausserdem können wir davon ausgehen, dass der Verkehr weiter zunimmt. Insofern lohnt es sich aus meiner Sicht, diese Vision weiter zu verfolgen.

Wie soll die heute an verschiedenen Orten angesiedelte kantonale Verwaltung zentraler organisiert werden? 
Eine umfassende Zentralisierung der kantonalen Verwaltung erscheint mir nicht realisierbar. Um die Nachteile von dezentralen Organisationsformen abzufangen, müssen prozessuale Lösungen gefunden werden. Mitarbeitende, die direkt zusammenarbeiten, sollen in unmittelbarer Nähe untergebracht werden. Dies wird organisatorische Anpassungen sowie Umzüge und Veränderungen an bestehenden Infrastrukturen zur Folge haben. Unternehmens- und Betriebskultur müssen von den Führungskräften aktiv gefördert werden, gemeinsame Büros reichen hierfür nicht aus. Wie uns Erfahrungen aus der Pandemie zeigen, trägt der Einsatz technischer Mittel dazu bei, Distanzen zu überbrücken und gleichzeitig die Effizienz zu erhöhen. (map)