Nidwalden
Vermächtnis eines bedeutenden Nidwaldners kommt zum Vorschein

Mehr und mehr bedeutende historische Dokumente des Staatsarchivs Nidwalden sind zugänglich. Der Nachlass eines Nidwaldners nimmt gar zwölf Laufmeter ein.

Matthias Piazza
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Robert Durrer in seinem Arbeitszimmer im Breitenhaus in Stans, heute Sitz der Baudirektion. In Griffnähe an der Seite des Tisches: die Schlüssel zum damaligen Staatsarchiv im Rathaus.

Robert Durrer in seinem Arbeitszimmer im Breitenhaus in Stans, heute Sitz der Baudirektion. In Griffnähe an der Seite des Tisches: die Schlüssel zum damaligen Staatsarchiv im Rathaus.

Bild: Staatsarchiv Nidwalden

In Stans ist gar eine Strasse nach ihm benannt. Robert Durrer (1867–1934) war Staatsarchivar, Geschichtsforscher, Kunstschaffender, Denkmalpfleger und Archäologe. Mehr als zwölf Laufmeter nimmt sein Teilnachlass im Nidwaldner Staatsarchiv ein: Manuskripte und Rezensionen, nahezu lückenlos überlieferte private und berufliche Korrespondenz aus fünf Lebensjahrzehnten, Zeichnungen und Notizbücher, Fotodokumentationen und Inspirationssammlungen zum kunsthistorischen und künstlerischen Schaffen. Nun sind diese Trouvaillen erfasst und benutzbar. Seit Mai 2020 sichtet, ordnet und verzeichnet die Historikerin und Archivarin Monika Burri unerschlossene Bestände. 160 dieser mehr als 500 Laufmeter wurden im ersten Jahr auf ihre Archivwürdigkeit geprüft, neu sortiert und verzeichnet: neben dem Nachlass von Robert Durrer etwa auch Akten und Amtsbücher des Oberforstamts oder Korrespondenz der Standeskanzlei aus dem 19. und früheren 20. Jahrhundert. Es kamen auch Gesetzestexte und Gerichtsakten zum Vorschein, auf denen Robert Durrer seine Spuren hinterliess. Denn von 1895 bis zu seinem Tode 1934 karikierte er als Kantonsrichter an den Sitzungen des Kantonsgerichts mit spitzer Feder seine Zeitgenossen.

Erschlossen wurden auch wertvolle Bestände privater Herkunft, so die Archive der Nidwaldner Politikerfamilien Businger, Zelger und Durrer, die nebst Korrespondenzen und persönlichen Auszeichnungen auch Akten zu Amtstätigkeiten enthalten und deren Überlieferung bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.

Tieferer Einblick in die Geschichte Nidwaldens

Staatsarchivar Emil Weber ist glücklich, dass der Landrat 400'000 Franken im November 2019 für diese besondere Inventur bewilligte. «Dank der Nacherschliessung erhalten wir einen tieferen, feinmaschigeren Einblick in die Nidwaldner Geschichte der vergangenen 500 Jahre.» Allerdings wurden die Dokumente ja erst erfasst und benutzbar gemacht. «Doch ich hoffe, dass wir neue historische Erkenntnisse gewinnen, wenn die Historikerinnen und Historiker sich intensiv mit den Dokumenten auseinandersetzen.» Dass Robert Durrers Dokumente nun «griffbereit» sind, erachtet Emil Weber als besonderen Glücksfall. «Robert Durrer hat für die damalige Zeit neue Ansätze in der historischen Forschung geschaffen, spannende Arbeiten übers Mittelalter und die Entstehung des Kantons Nidwalden erfasst, war Autor des Standardwerks ‹die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden› und Mitbegründer des Vereins Schweizer Archivare», macht Emil Weber Beispiele.

Die Historiker müssen sich allerdings noch drei Jahre gedulden. So lange dauert es voraussichtlich noch, bis alle Dokumente aus mehr als 800 Jahren Nidwaldner Geschichte erschlossen sind. Mit dem bisherigen Fortschritt ist Emil Weber zufrieden. «Aber wir wissen natürlich noch nicht, was uns noch erwartet.»

Das Staatsarchiv bietet in loser Folge Einblicke in das Nacherschliessungsprojekt: www.nw.ch/schaufensterarchiv. Zu den künstlerischen Spuren von Robert Durrer: www.nw.ch/schaufensterarchiv/3971.