Nidwalden
Die GLP will vermehrt auf Solarenergie setzen

Mit Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch will die Partei den Ausbau von Fotovoltaik-Anlagen fördern. Dazu müsste das Elektrizitätswerk jedoch Privatanbietern entgegenkommen.

Florian Pfister
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Das Haus Oberbächli in Beckenried ist eines der ersten ZEV-Häuser der ganzen Schweiz. ZEV bedeutet «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch», das heisst Bewohner von Liegenschaften können mit Solaranlagen den produzierten Strom selbst verbrauchen und von geringen Kosten profitieren. Ein Verteilnetz, viele private Elektrozähler. Dieses Haus soll sinnbildlich dafür stehen, was im Kanton Nidwalden möglich ist. Wenn es nach der GLP Nidwalden geht, muss sich beim Thema Solarenergie grundlegend etwas ändern.

Thomas Käslin erklärt, wie ein ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) funktioniert.

Thomas Käslin erklärt, wie ein ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) funktioniert.

Bild: Florian Pfister (Beckenried, 19. Februar 2022)

Die Partei hat am Samstag im Haus Oberbächli dazu eingeladen, das ZEV-Haus näher vorzustellen und will zeigen, wofür sich die Partei einsetzt. Besonders wichtig ist es Landratskandidat Thomas Käslin, dass die Leute wissen, was der Autarkiegrad ist. Dieser gibt den Anteil des selbst genutzten Stroms am gesamten Stromverbrauch an. Im Schnitt bezieht das Haus Oberbächli rund einen Drittel des verbrauchten Stroms direkt von der eigenen Anlage.

Auch im Winter wird Strom erzeugt

Wie ein ähnlicher Zusammenschluss in Altdorf zeigt, sind auch an Wintertagen Werte von rund 25 Prozent möglich. «Man meint oft, im Winter können Solaranlagen kaum Strom erzeugen», sagt Thomas Käslin dazu. Das Ziel einer solchen Anlage besteht darin, möglichst viel vom selbst hergestellten Strom zu brauchen. Bei Überschuss wird der Strom im Falle des Hauses Oberbächli zurück an das Gemeindewerk Beckenried geleitet. Dies ist besonders im Hochsommer der Fall. Im Optimalfall soll jedes Haus also ein «Prosumer» werden, Produzent und Verbraucher gleichzeitig.

Die Anzeige zeigt, von wo wie viel Strom kommt, beziehungsweise wo dieser verbraucht wird.

Die Anzeige zeigt, von wo wie viel Strom kommt, beziehungsweise wo dieser verbraucht wird.

Bild: Florian Pfister (Beckenried, 19. Februar 2022)

Das grösste Problem sieht die Partei darin, dass das kantonale Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN) nicht nur Verteiler auf der Netzseite sei und als Aufsicht diene. Gleichzeitig berät es und verkauft beispielsweise Solarpanels. «Der Verkauf solcher Leistungen soll keine Staatsaufgabe sein. Das EWN soll private Fotovoltaik-Stromerzeuger unterstützen», sagt Thomas Käslin. Die Frage stelle sich, ob das Elektrizitätswerk nur gewinnorientiert arbeite. «Jedenfalls unterstützt es den Ausbau von privaten Fotovoltaik-Anlagen kaum», sagt Thomas Käslin. «Wenn der Gewinn etwas reduziert werden würde, würde dies die Wirtschaft fördern. Mehr private Firmen könnten entstehen, die sich der Fotovoltaik widmen.» Und: «ZEV sollen als Partner und nicht als Konkurrenten angesehen werden.» Thomas Käslin betont jedoch auch, dass das EWN ansonsten gute und kompetente Arbeit leiste, im speziellen auf der Netzseite.

Ausbau wäre eine grosser Schritt

Ein weiteres Ziel ist es, dass die Rückliefervergütung schweizweit einheitlich wäre. Thomas Käslin ist überzeugt, dass sich der Versuch lohnt, viel mehr auf Solarenergie zu setzen. «Es kann gar nie eine Fotovoltaik-Anlage zu viel geben.» Zukunft müsse auch sein, dass der Kauf und Verkauf von Solarstrom lukrativer werden. Der Bau einer Fotovoltaik-Anlage kostet sehr viel, eine gewisse Planbarkeit für die Rücklieferungstarife wäre wünschenswert, auf nationaler Ebene. Laut Thomas Käslin ist der Solarstrom im Haus Oberbächli zwei Rappen günstiger als jener direkt vom Netz. Dies soll die Bewohner animieren, möglichst am Tag, wenn die Sonne scheint, Strom zu konsumieren.

Ein grosser Ausbau oder Zubau von privaten Solarenergie-Anlagen wäre ein wichtiger Schritt. Davon ist Thomas Käslin überzeugt. Allerdings ist er sich darüber im Klaren, dass dies allein nicht reicht. Momentan brauche es noch Atomkraftwerke. «100 Prozent Autarkie macht vielleicht bei einer Alphütte Sinn, aber ist bei einem Mehrfamilienhaus kaum sinnvoll, wegen der sinkenden Wirtschaftlichkeit.»