Nidwalden
Arbeitslose dürfen bald im Neubau auf ihre Wiedereingliederung hinarbeiten

Job-Vision erhält den nötigen Neubau in Stans. Der Landrat kürzte den Baukredit aber um 100'000 Franken auf 1,9 Millionen.

Philipp Unterschütz
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Seit 2008 ist die Job-Vision Ob-/Nidwalden, die Massnahmen für Erwerbslose zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt trifft, in Räumlichkeiten der armasuisse am Bürgenberg in Stans eingemietet. Die Gebäude wurden in den 40er- bis 60er-Jahren erstellt und sind in die Jahre gekommen. Während im Hauptgebäude und in der Schreinerei gute Arbeitsbedingungen herrschen, befinden sich die Holzbaracken der Cafeteria sowie der Abteilungen Natur&Landschaft und Fotografie in einem sehr schlechten Zustand. Ohne Investitionen würde es bald nicht mehr zumutbar sein, in den beiden Gebäuden zu arbeiten. Job-Vision begleitet jährlich zwischen 200 und 300 Stellensuchende in verschiedenen Arbeitsbereichen.

Der Landrat tagt in der Aula des Kollegiums St.Fidelis.

Der Landrat tagt in der Aula des Kollegiums St.Fidelis.

Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 30. Juni 2021)

Der Landrat genehmigte nun einen Baukredit von 1,9 Millionen Franken für einen zweistöckigen Neubau anstelle der beiden Gebäude. Die Armasuisse stellt dem Kanton die Liegenschaft im Baurecht zur Verfügung. Der zweckdienliche Bau mit einem schlichten Ausbaustandard und robusten Oberflächen in Holz-Elementbauweise soll 2022 entstehen. Im Neubau sollen die gesamte Schreinerei, die Malerei und die Räumlichkeiten der Abteilung Natur&Landschaft auf einer beheizbaren Fläche von rund 680 Quadratmetern untergebracht werden, deutlich mehr als bisher.

Diskussion um Kredithöhe

Das Bauwerk an sich war im Parlament unbestritten. Nicht so jedoch der beantragte Kredit von 2 Millionen Franken. Die vorberatenden Kommissionen Finanzkommission (Fiko), Kommission Bildung, Kultur und Volkswirtschaft (BKV) und die Kommission Bau, Planung, Landwirtschaft und Umwelt (BUL) hatten in ihren Sitzungen alle die Höhe des Kredits und insbesondere der Planungskosten von 372'000 Franken hinterfragt. Während die Fiko und die BKV, in der ein Kürzungsantrag abgelehnt worden war, den Antrag für einen 2-Millionen-Kredit aber doch einstimmig unterstützten, wurde aus der BUL ein Minderheitsantrag an den Landrat gestellt, den Kredit um 100'000 Franken zu kürzen.

Für die Mehrheit der BUL war laut Kommissionssprecher Markus Walker (SVP, Ennetmoos) eine Kürzung des beantragten Kredits nicht gerechtfertigt, weil es nicht heissen müsse, dass die Planungskosten auch voll ausgeschöpft werden müssten, wenn sie zu hoch angesetzt seien. Die 2 Millionen Franken seien ein Kostendach, mehr dürfe der Bau nicht kosten. Gleichzeitig würden auf anderen Positionen Unsicherheiten bestehen, die höhere Kosten auslösen könnten, wie Lieferengpässe für gewisse Materialien oder allfällige Pfählungsarbeiten, die noch nicht eingeplant seien.

Mehr für weniger?

Die Kommissionsminderheit der BUL erachtete mit Blick auf die geplante Bauweise die Kosten in der Höhe von 2 Millionen Franken als zu hoch. Insbesondere seien die eingesetzten Honorare überhöht, so dürften die Planung und die Bauführung nicht besonders aufwendig sein. Sie war der Ansicht, dass für das Projekt ohne qualitative Abstriche ein Objektkredit in der Höhe von 1,9 Millionen Franken problemlos ausreiche, sagte Markus Walker auch namens der SVP-Fraktion.

Die beiden alten Baracken von Job-Vision können durch einen zweckmässigen Neubau ersetzt werden.

Die beiden alten Baracken von Job-Vision können durch einen zweckmässigen Neubau ersetzt werden.

Bild: PD

Während sich die Fraktionen der Mitte und der SP/Grünen hinter den Antrag der Regierung stellten, plädierten FDP und SVP für die Kürzung des Kredits. Niklaus Reinhard (FDP, Hergiswil), selber als Planer im Bauwesen tätig, sagte, er habe die Baukosten überprüft und sei auf 1,7 Millionen gekommen. Üblicherweise würden Kostenvoranschläge mit Ungenauigkeiten von 10 Prozent rechnen, hier seien es 25 Prozent. Reinhard fragte, warum das von den Verantwortlichen nicht hinterfragt worden sei und ein genauer Kostenvoranschlag verlangt worden sei? «Es wird eine Chance vertan, dass Job-Vision mit weniger Geld eine bessere Lösung realisieren kann. Es ist möglich, mehr für weniger zu erhalten.»

Daniel Niederberger (SP, Stans) gab zu, dass er bei der Prüfung der Kosten zum gleichen Resultat gekommen sei wie Niklaus Reinhard oder Markus Walker, zog daraus aber einen anderen Schluss. Der Bestellkatalog sei nicht vollständig, es fehlten Kosten für den Minergieausbau oder eine Fotovoltaikanlage. Ebenso sei keine Baugrundverbesserung eingerechnet worden, sagte Niederberger und erinnerte an den Bau des Jugendhauses Senkel in Stans, bei dem gepfählt und deshalb erhebliche Mehrkosten gedeckt werden mussten. «Das Risiko, dass bei einer Reduktion von 100'000 Franken andernorts und am falschen Ort gespart werden muss, ist zu gross.»

Der Landrat hiess in der Abstimmung den Antrag zur Kürzung des Kredits um 100'000 Franken auf 1,9 Millionen mit 32:26-Stimmen gut. In der Schlussabstimmung nahm das Parlament dann den Kredit von 1,9 Millionen Franken mit 58 Stimmen einstimmig an.