Lehrmittel
Computerspiel soll der Jugendverschuldung entgegenwirken

Mit einem digitalen Lernangebot will der Kanton Nidwalden Finanzkompetenz auf der Sekundarstufe 1 völlig neu vermitteln.

Sepp Odermatt
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Das Game «Finance Mission World» spricht die Jugendlichen an.

Das Game «Finance Mission World» spricht die Jugendlichen an.

Bild: Sepp Odermatt (Hergiswil, 2. Juni 2021)

Der richtige Umgang mit Finanzen will gelernt sein. Wie gehe ich mit meinem Budget um? Habe ich eine Finanzstrategie? Wie treffe ich kluge Kaufentscheidungen? Fragen, auf die man sich vorbereiten sollte und entsprechende Aufgaben üben kann. Im Fach WAH (Wirtschaft/Arbeit/Haushalt) auf der Sekundarstufe 1 sollen diese Fragen behandelt werden. Das Action-Game «Finance Mission Heroes» wurde genau dafür entwickelt: Es trainiert das finanzielle Feingefühl von Jugendlichen, bereitet sie auf selbstständige Finanzentscheidungen vor und sensibilisiert sie dafür, vernünftig mit Geld umzugehen. Seit kurzem wird es durch ein neues digitales Lernangebot ergänzt. Es nennt sich «Finance Mission World» und ist vom Verein Finance Mission entwickelt worden.

Erwerben der nötigen Kompetenzen ist wichtig

An einer Medienorientierung wies Res Schmid, Vorsteher der Bildungsdirektion Nidwalden, am Mittwoch auf die Wichtigkeit des Themas hin: «Kinder und Jugendliche kommen schon früh mit der Verschuldung in Kontakt. Das zeigen Statistiken in der Schweiz klar auf.» Nicht alle Kinder bekämen den richtigen Umgang mit Geld von den Eltern mit. Es sei deshalb wichtig, dass die Jugendlichen in der Schule die nötigen Finanzkompetenzen erwerben könnten, so Schmid weiter.

Hierfür steht den Lehrpersonen nun das digitale Lernangebot «Finance Mission World» kostenlos zur Verfügung. Unterstützt wird das Projekt von den beiden nationalen Lehrerverbänden und dem Schweizerischen Kantonalbankenverband. Heinrich Leuthard, CEO der Nidwaldner Kantonalbank, sagte dazu: «Wir unterstützen den Verein Finance Mission und sind überzeugt, dass mit diesem modernen Lehrmittel der richtige Weg gefunden wurde, die vermeintlich trockene Materie professionell zu vermitteln. Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, die Schülerinnen und Schüler für die wichtigsten Aspekte der Finanzen zu motivieren. Deshalb machen wir auch bewusst keine Produktewerbung oder Kundenakquise.»

Knifflige Aufgaben warten auf die Jugendlichen

Kathrine Balsiger ist im Vorstand von Finance Mission und hat als Mitglied der Steuergruppe an der Entwicklung des neuen Lernangebotes gearbeitet. Sie zeigte auf, wie auf spielerische Art positive Anreize gesetzt werden, welche die Schülerinnen und Schüler motivieren, mehr über das Thema zu lernen. «Die Jugendlichen machen sich dabei auf eine virtuelle Reise, in der sie ihr erworbenes Finanzwissen geschickt anwenden müssen. Als Heldinnen und Helden bewegen sie sich durch verschiedene Distrikte, wo knifflige Aufgaben auf sie warten», erklärte Balsiger. Ein Dashboard – eine Art Armaturenbrett – bietet der Lehrperson dabei einen Überblick über die Klasse. Hier sieht die Lehrperson, welche Aufgaben von den Schülerinnen und Schülern bereits gelöst worden sind, und sie kann deren Antworten einsehen. Zudem ermöglicht das Dashboard die Steuerung der zu lösenden Aufgaben.

Positive Rückmeldungen der Schüler

Mit Finance Mission World arbeitet Yolanda Muff, ORS Fachlehrerin WAH in Hergiswil bereits seit einiger Zeit. Ihre Meinung dazu: «Das Lehrmittel führt direkt zum Lehrplan 21. Ich muss als Lehrperson nicht selber noch Arbeitsblätter entwickeln. Die geforderte Finanzkompetenz wird mit diesem Game erreicht. Es fordert aber auch einiges von den Lernenden, da sie nicht nur spielen, sondern auch lesen müssen.» Im Herbst finde ein Einführungskurs für Lehrpersonen statt, und da werde sie auch dabei sein, ergänzte die Hergiswiler Fachlehrerin. Die Reaktionen ihrer Schülerinnen und Schüler sind äusserst positiv. «Ich finde das Spiel vielseitig und interessant. Es kann mir im späteren Leben vielleicht helfen», reflektieren zwei Mädchen. Ein Knabe greift ein Beispiel heraus: «Man kann in diesem Spiel Geld verdienen und Kleider damit kaufen.»

Aus der Optik der Bildungsdirektion Nidwalden fügt sich das digitale Angebot auf ideale Weise in die Lehrplan-21-Kompetenzen des Schulfachs Wirtschaft, Arbeit und Haushalt ein.

Der Verein Finance Mission wurde am 10. Mai 2016 vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), dem Syndicat des Enseignants Romands (SER) und dem Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) gegründet. Der Verein will Jugendliche für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld sensibilisieren und deren Finanzkompetenz nachhaltig fördern. Präsident ist der Glarner Samuel Zingg.