Landratswahlen Nidwalden
Grüne sind beim Frauenanteil an der Spitze

25 Frauen kandidieren von den Grünen für einen Landratssitz. Das sind so viele wie bei keiner anderen Partei.

Matthias Piazza
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Der Nidwaldner Landrat ist in dieser Legislatur männerdominiert.

Der Nidwaldner Landrat ist in dieser Legislatur männerdominiert.

Bild: Nidwaldner Zeitung (Stans, 27. Juni 2018)

54 Prozent: So hoch ist bei den Grünen der Anteil der weiblichen Kandidierenden für die Landratswahlen vom 13. März. Damit führt die Partei diese Rangliste an. Auf Platz zwei folgen die Grünliberalen mit 40 Prozent, gefolgt von SP/Juso mit 38 Prozent. 25 Grüne-Frauen kandidieren für einen Landratssitz. Auch das ist so viel wie bei keiner anderen Partei. Auch sind die Grünen die einzige Partei, die gar mit mehr Frauen als Männern antritt.

«Mit Gleichstellung, Umwelt und Sozialpolitik bewirtschaften wir mehr als andere Parteien Themen, die Frauen ansprechen und teilweise besonders betreffen», erklärt sich die Beckenrieder Landrätin Erika Liem Gander diesen Spitzenplatz, worüber sie auch glücklich ist. «Das Volk besteht zur Hälfte aus Frauen. Dies muss doch ein Parlament repräsentieren. Und das geht kaum bei einem Parlament, das in Nidwalden aktuell zu drei Vierteln aus Männern besteht», findet Erika Liem, die bei den Grünen in der Wahlgruppe mitverantwortlich ist.

«Viele Frauen trauen sich ein politisches Amt nicht zu»

Um Frauen anzuwerben, wurde auch kein Aufwand gescheut. Die Wahlgruppe fragte gezielt Frauen in den Gemeinden draussen an. «Wir ermutigten sie zu einer Kandidatur, sicherten ihnen einen guten Support zu bei ihrer politischen Arbeit, machten sie auf die gute Gelegenheit aufmerksam, Verantwortung übernehmen zu können.» Oft habe es Überzeugungsarbeit gebraucht. «Viele Frauen trauen sich ein politisches Amt nicht zu, bei anderen lässt sich das Milizamt nicht mit der Familie mit kleinen Kindern oder dem Beruf vereinbaren oder ihnen fehlt die Energie dazu», erklärt sie die Gründe für den generell tiefen Frauenanteil. Sie wisse aus eigener Erfahrung, dass es nicht leicht sei, Familie, Job und das Amt als Landrätin unter einen Hut zu bringen. «Aber mit guter Unterstützung aus Umfeld und Partei ist das möglich», meint die 50-jährige Mutter älterer Kinder, die als Leiterin der Mütter- und Väterberatung bei Spitex Nidwalden arbeitet.

Hier sei auch die Politik gefordert, ideale Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa mittels Betreuungsangeboten, um Frauen die Ausübung eines politischen Amts zu erleichtern. Unter anderem genau für solche Anliegen brauche es eine paritätische Mitsprache der Frauen.

Wunsch an andere Parteien

Für mehr Frauen in der Politik setzt sich auch die Stanser Grüne-Landrätin Verena Zemp ein. Und zwar als Initiantin des überparteilichen Nidwaldner Komitees «Helvetia ruft!». Entsprechend erfreut zeigt auch sie sich über die vielen Kandidatinnen in ihrer Partei. «Damit setzt unsere Partei auch nach aussen ein Zeichen. In Emmetten gibt's dank uns auch weibliche Nominationen für den Landrat.» Sie wünschte sich, dass sich auch die anderen Parteien künftig mehr anstrengen würden, um den Frauenanteil zu erhöhen. «Eine ausgeglichene Kandidierendenliste müsste in jeder Partei Standard sein.»

Als Quotenregelung wollen die beiden Frauen ihre Anstrengungen nicht verstanden wissen. «Viele Frauen sind fähig für ein politisches Amt. Diese wollen wir zu einer Kandidatur ermutigen», meint Verena Zemp.

Kantonalpräsident und Landrat Alexander Huser spricht von einer Bereicherung des politischen Betriebes mit einem höheren Frauenanteil. Dadurch erhoffe er sich einen positiven Effekt. «Je weniger männerdominiert ein Parlament ist, desto eher wagen weitere Frauen zu kandidieren», ist er überzeugt.