Landrat
Steine aus China werden wohl auch weiterhin aus Preisgründen bevorzugt

Der Kanton Nidwalden sieht kaum Möglichkeiten, bei den Ausschreibungen Vorgaben zu den Randsteinen zu machen.

Philipp Unterschütz
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An der Buochserstrasse verbaute das vom Kanton beauftragte Unternehmen importierte Randsteine aus China, was eine Anfrage im Landrat ausgelöst hat.

An der Buochserstrasse verbaute das vom Kanton beauftragte Unternehmen importierte Randsteine aus China, was eine Anfrage im Landrat ausgelöst hat.

Bild: PD (Stans, 1. Juni 2021)

Die Randsteine aus China, die in Nidwalden an der Buochserstrasse verbaut werden, sorgten vielerorts für Kopfschütteln. Gestern lieferte nun Baudirektor Josef Niederberger im Parlament die mit Spannung erwarteten Antworten auf die Fragen von Toni Niederberger (SVP, Stans). Dieser hatte wissen wollen, warum überhaupt Randsteine aus aller Welt importiert und nicht vorwiegend Schweizer Produkte verwendet würden, wie viele Strassenkilometer in den letzten fünf Jahren mit solchen Steinen erstellt wurden und ob der Kanton Nidwalden gewillt sei, bei der Ausschreibung und Materialbeschaffung künftig eine Vorbildfunktion zu übernehmen und für seine Strassen Steine aus der Schweiz zu verbauen.

Vorläufig wird sich wohl gar nichts ändern

Baudirektor Josef Niederberger hielt fest, dass die Steine von den beauftragten Firmen bestellt werden und die ausländischen Abschlusssteine eben aus Preisgründen verwendet würden. Er ergänzte, dass dies möglich sei, «weil wir keine bestimmte Marke vorschreiben». Aufgrund des freien Beschaffungsmarktes könne der Kanton nur marginal Einfluss nehmen. Die Herkunft von allen Natursteinen müsse aber deklariert werden und wenn sie aus Steinbrüchen ausserhalb Europas stammen, muss zudem vor Auftragserteilung ein anerkanntes Zertifikat eingereicht werden, das von einer unabhängigen Drittpartei geprüft worden ist. Dies auch, um Kinderarbeit zu verhindern. Zudem werde auch die Verpackung geprüft.

Die Frage, wie viele Strassenkilometer mit solchen Steinen verbaut wurden, konnte der Baudirektor aber nicht exakt beantworten, es sei aufwendig, dies zu ermitteln. Immerhin gab er bekannt, dass in den letzten fünf Jahren an der Buochserstrasse, beim Kreisel Wil/Grasdörri und auch an der Engelbergstrasse (Schmiedgasse, St.Heinrich, Wydacher) chinesische Randsteine und Stellplatten verbaut worden sind. Beim Kreisel Schürmatt und der Kehrsitenstrasse kamen diese aus Italien. Bei der Engelbergstrasse wurden zudem auch Steine aus Portugal, Italien und der Türkei verwendet.

Für künftige Änderungen machte der Baudirektor aber kaum Hoffnungen. Der Kanton Nidwalden orientiere sich weiterhin an der gängigen Praxis. Nur in Sonderfällen, bei ästhetisch hochstehenden Bauwerken oder Wasserbauarbeiten, würden einheimische Steinlieferungen geprüft und allenfalls vorgeschrieben.

Vielleicht folgt ein Vorstoss zum Beschaffungswesen

Landrat Toni Niederberger zeigte sich nach der Sitzung enttäuscht über diese Antwort. «Der Kanton hat keinen Willen gezeigt, bei Ausschreibungen Schweizer Steine vorzuschreiben. Ich habe gehofft, dass sie diesbezüglich den Ball aufnehmen.» Er sei bei zwei Steinbrüchen im Tessin gewesen, wo man ihm gezeigt habe, dass es sehr wohl möglich sei, dass die Kantone Vorgaben machen können. Beim Holz sehe es ja auch besser aus, da sei oft Schweizer Holz ausgeschrieben. Jedenfalls sei die Sache für ihn noch nicht erledigt. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir einen Vorstoss zum Beschaffungswesen machen.»

Dass die chinesischen Steine in der Schweiz gerne verbaut werden, zeigt auch eine Anfrage bei der eidgenössischen Oberzolldirektion. Der Anteil der importierten chinesischen Pflaster- und Bordsteine sowie Pflasterplatten hat sich in den letzten 10 Jahren verzehnfacht. Betrugen die Importe 2010 noch 3,2 Prozent der Gesamtmenge, waren es 2020 bereits 32 Prozent.