Kolumne
Viel zu heiss

Auch für «Ich meinti»-Kolumnist Karl Tschopp ist es dieser Tage zu heiss. Er macht das Beste daraus und schlägt vor, jeden Tag zu nehmen, wie er kommt: «Das Wetter können wir bekanntlich ja immer noch nicht verändern.»

Karl Tschopp
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Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans.

Bild: PD

Ein paar Tage so richtig hochsommerliche Temperaturen, und schon ist es wieder zu heiss, viel zu heiss. Hitzealarm da und dort. Selbst aus dem nördlichen Europa erreichen uns Meldungen von Hitzetoten und Waldbränden, von rekordverdächtigen Höchsttemperaturen in England wird berichtet, wie auch von unerträglicher Hitze in Grossstädten. Neben den Schreckensmeldungen finden sich in fast allen Medien aber auch Ratschläge, das Richtige zu tun, wenn einem zu heiss wird. Kühle Orte für heisse Sommertage suchen, heisst das Motto. Schluchtenwandern ist angesagt, die besten Gelaterias werden aufgezählt und Bergseen sowie Wasserfälle sollen Ausflügler anziehen.

Studien zeigen, dass die Anzahl Hitzetage – also Tage mit über 30 Grad Celsius – in den letzten 40 Jahren deutlich zugenommen hat. Ungeachtet, wo man diese Werte misst, also am Genfersee, im Tessin oder nördlich der Alpen, gibt es diese Hitzetage immer häufiger. Klimaszenarien sagen aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch zuspitzen werde. Der Klimawandel zeigt sein hässliches Gesicht also nicht nur mit Naturkatastrophen, er ist auch bei schönem Wetter präsent. Überdies hat die Sterblichkeit seit Juni dieses Jahres erheblich zugenommen. Deutlich mehr Hitzetote als andere Jahre sind zu verzeichnen, ungeachtet der Corona-Sommerwelle. Meist ältere Menschen sind davon betroffen. Nachahmenswert deshalb der Hitzenotplan der Franzosen: Sie führen ein Register mit alleinstehenden Personen über 60 Jahre, die bei Hitzewarnungen systematisch kontaktiert und beraten werden.

Es habe noch genügend Wasser, steht geschrieben. Glück gehabt, es ist also noch gar nicht so schlimm. Die ersten zaghaften Hinweise auf Sparen und Einteilen von Wasser werden kaum beachtet. Die Situation in der Schweiz ist noch nicht besorgniserregend. Die Sicht über die Grenzen ist aber alles andere als erfreulich. Aufgrund von kriegerischen Ereignissen wird zudem der Ruf nach Energie sparen immer stärker. In fünf Monaten wird wohl wieder genügend Wasser vorhanden sein, aber man wünscht sich dann eine warme Wohnung. Jeder Mensch ist sich selbst der Nächste. Man stapelt aktuell das Cheminéeholz im Keller, zusätzliche Dosen von Ravioli ebenso, denn man weiss ja nie, was Putin noch in den Sinn kommt.

Ich meinti, wir müssen die Tage nehmen, wie sie sind. Es ist ja immer noch so, dass wir das Wetter nicht verändern können. Und der Einsatz, am Klima etwas zu ändern, ist so gewaltig, dass wir fast resignieren. Also suchen Sie den Schatten, bewegen Sie sich wenig und trinken Sie viel Wasser. Der bekannte Modedesigner Wolfgang Joop duscht laut eigenen Angaben dreimal täglich und wechselt sein Hemd ebenso oft, und das bei «normalen» Temperaturen das ganze Jahr über, auch im Winter. Ich würde gerne wissen, wie er das in diesen Tagen so macht.