Kolumne
«Ich meinti»: So viele gesunde Gewohnheiten

Unser Kolumnist möchte gerne gesünder Leben. Doch ein striktes Würstli-Kontingent, ein strenges Sport-Programm und unvorhersehbare Mengen an Stuhlgang machen dies komplexer als gedacht.

Christian Hug
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Zurzeit besuche ich eine Vortragsreihe, in der es um allerlei Themen rund um das gesunde Leben geht. Ich erfahre viel über Bewegung am Morgen und Entspannung am Abend, über Blutdruck rund um die Uhr und tiefen Schlaf in den Nachtstunden. In einem Vortrag über gesunde Ernährung (Sie kennen sicher den Tipp mit dem Olivenöl) sagte die Referentin, Wurstwaren seien nur einmal pro Woche erlaubt. Da musste ich natürlich gredi use lachen. Weil erstens sagt man nicht wie ein Beamter «Wurstwaren», sondern man sagt liebevoll «Würstli». Und zweitens: Wenn ich mich an diesen Ratschlag halten würde, wäre mein Würstli-Kontingent schon am frühen Montagmorgen aufgebraucht. Was soll ich dann den ganzen Rest der Woche essen?

Christian Hug, Journalist aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema. Seine gesammelten Kolumnen «Ich meinti» sind in Buchform erhältlich unter www.christian-hug.ch.

Christian Hug, Journalist aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema. Seine gesammelten Kolumnen «Ich meinti» sind in Buchform erhältlich unter www.christian-hug.ch.

Die Referentin empfahl, jeden Tag mindestens 30 Gramm Nahrungsfasern «aufzunehmen». Sie sagte tatsächlich «aufnehmen», wie die Jäger, wenn sie von äsenden Rehen reden. Wie auch immer: Nahrungsfasern sind die unverdaulichen Ballaststoffe, die dann später wieder raus müssen, weil sie ja unverdaulich sind. Um diese 30 Gramm aufzunehmen, sei es hilfreich, fünf Portionen Obst oder Gemüse pro Tag zu essen – also Sie und ich, nicht die Rehe. Das heisst: Schon zum Zmorgen eine Handvoll Beeren ins Müesli geben. Das halte die Verdauung in Schwung und erhöhe nebenbei die Menge des Stuhlgangs, referierte die Referentin. Bloss: Wenn ich statt Würstli jeden Tag fünf mittelgrosse Fenchel essen müsste, dann würde ich meine gesamte Freizeit auf dem Klo verbringen.

Aber Freizeit werde ich bei einer gesunden Lebensführung sowieso keine mehr haben – das lernte ich jedenfalls im nächsten Vortrag, da ging es um Bewegung. Nach einer kleinen Einführung empfahl der Referent folgendes Aktivitätenprogramm: dreimal pro Woche eine Stunde Ausdauertraining plus zweimal pro Woche eine Stunde Krafttraining plus Extra-Sport am Wochenende. Was also bedeuten würde, dass ich jeden Wochentag nach Feierabend irgendwo durch die Gegend renne oder Gewichte stemme und am Samstag zum Beispiel um die Nas herum paddeln würde, und am Sonntag hätte ich dann endlich Zeit, aufs Klo zu gehen – wegen der vielen Fenchel jeden Tag. Was dann auch bedeuten würde, dass ich nicht mal mehr am Sonntag die Zeit und die Musse hätte, mit Freunden essen zu gehen oder Konzerte zu besuchen oder sonst was zu unternehmen, weil ich ja immerzu etwas tun muss, um gesund zu bleiben.

Die Summe all dieser Empfehlungen stellte mich vor schier unlösbare Probleme. Ich streckte meine Hand, wie damals in der Schule, und sagte: «Das ist mir alles zu detailliert und zu aufwendig. Ich gehe gerne wandern und esse fast ausschliesslich bio – reicht das denn nicht?»

Der Referent schaute lange und ohne Fokus an die Wand hinter mir, man sah förmlich, wie er nach einer Antwort suchte. Dann sagte er: «Das ist doch schon mal ein guter Anfang.»