Kolumne
«Ich meinti»: Krone des Glücks wie des Unglücks

Was bringt das neue Jahr? «Ich meinti»-Kolumnistin Franziska Ledergerber machte sich ihre Gedanken – angeregt durch den Dreikönigstag.

Franziska Ledergerber
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Franziska Ledergerber Kilchmann, Hergiswil.

Franziska Ledergerber Kilchmann, Hergiswil.

Bild: Nidwaldner Zeitung

Gestern war das Fest der Heiligen Drei Könige. Das Letzte in der Reihe der weihnachtlichen Seligkeit. Der Weihnachtsbaum ist weggeräumt und die Krippenfiguren liegen verpackt an ihrem Platz im Estrich. Kaspar, Melchior und Balthasar befinden sich längst wieder auf ihrer Rückreise ins Morgenland. Guten Morgen, liebe Leser und Leserinnen.

Auch ich lege meine Krone ab. Unangefochten durfte ich 24 Stunden lang auf dem familiären Thron sitzen. Und heute starte ich in den normalen Alltag im noch jugendlich frischen Jahr 2022. Vorsätze habe ich keine, nur Wünsche und Hoffnungen. Alpha, Beta, Gamma, Delta und jetzt Omikron. Diese Coronageschichte hat kein Ende. Oder doch?

Christian Drosten, ein bekannter Virologe, sagte in einem Interview in der «Sonntags-»- und ähnlich auch in unserer Zeitung: «Omikron wird die Sars-CoV-2-Variante sein, die uns in die endemische Phase begleiten wird. Dieses Virus wird wegen seiner enormen Infektiosität das erste postpandemische Virus werden … Die Engländer sind uns diesbezüglich voraus. Ihre Impfquote ist sehr hoch ... Auch hat es dort bereits sehr viele Infizierte gegeben. Das hat zwar zu vielen Verstorbenen geführt, aber nun gibt es einen breiten Immunschutz in der Bevölkerung. Wahrscheinlich kommt hinzu, dass Omikron per se nicht so schwer krank macht ...» Für Ungeimpfte sei das Virus jedoch immer noch gefährlich.

Diese Nachricht lässt aufatmen. Das Virus ist entschärft, bleibt lokal und kann sich nicht mehr global ausbreiten. Es wird sozusagen ein ganz normaler Begleiter des Menschen.

Doch so schnell geht das nicht, bis dahin gibt es noch einen steinigen Weg. Dazu vermutet der Virologe: «Es wird in England noch zwei Wellen bis zur endemischen Situation geben. Bis Ostern infizieren sich womöglich noch viele Menschen. Dann kommt ein entspannter Sommer. Im Herbst wird es voraussichtlich eine Nachdurchseuchung geben, wo man mit den angepassten Vakzinen dagegen boostern muss. Danach wird man sagen können: Die endemische Phase ist jetzt erreicht». Juhui!

Und bei uns? Wegen der tiefen Impfquote würde sich diese Phase um einiges verlängern. Also, liebe Unentschlossene, lasst euch impfen und boostern, es lohnt sich.

Gestern jährte sich der Sturm aufs Kapitol. Vor einem Jahr musste dort einer die Krone ablegen. Vier Jahre lang durfte er unangefochten auf seinem Thron sitzen. Er war weder weise noch gütig. Geschenke brachte er nur sich selbst dar. Immer wieder schaute er in den Spiegel. Die Krone sass ihm unter seiner weiss-gelben Haartolle so ausgezeichnet, dass er sie unter keinen Umständen abgeben wollte. Bei der förmlichen Bestätigung des Nachfolgers im Kongress, am 6. Januar 2021, rief er seine Vasallen zum Sturm aufs Kapitol auf.

Ungarn, Brasilien, Türkei, Weissrussland und Russland regieren sie, diese alten Narzissten und selbsternannten Könige, und in drei Jahren, Gott bewahre, vielleicht wieder die USA. Man könnte meinen, eine neue Kronen-Variante würde sich pandemisch ausbreiten: Opi-Kron. Leider gibt es dagegen keine Impfung.