Kolumne
«Ich meinti»: Etwas Ruhe in diesen lauten Zeiten

Kolumnist Christian Hug gibt seinen Geheimtipp zur Beruhigung der Gemüter preis.

Christian Hug
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Zurzeit ist ja irgendwie überhaupt rein gar nichts mehr lustig. Der G20-Gipfel hat wie immer keinerlei Ergebnisse gebracht, die Weltklimakonferenz hat wie immer nichts beschlossen und der Urwald wird wie immer einfach weiter abgeholzt. Russland bekriegt die Ukraine, China kauft die Welt auf, die USA sind fern von Bildung und nah am Bürgerkrieg. Sogar die Fussball-WM in Katar verkommt zur tragischen Komödie. Da frage ich mich zuweilen schon ernsthaft, warum ich am Morgen überhaupt noch aufstehen soll.

Christian Hug, Journalist aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema. Seine gesammelten Kolumnen «Ich meinti» sind in Buchform erhältlich unter www.christian-hug.ch.

Christian Hug, Journalist aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema. Seine gesammelten Kolumnen «Ich meinti» sind in Buchform erhältlich unter www.christian-hug.ch.

Bild: PD

Nun, die gute Nachricht ist: Es gibt tatsächlich Gründe, dass ich am Morgen aufstehe. Einer davon: Der Nussbaum in unserem Garten hat wieder Nüsse gemacht! Das erste Mal seit vier Jahren! Denn damals wurde der Baum sehr unsachgemäss geschnitten, weshalb das arme Geschöpf so schwach wurde, dass Parasiten eindringen konnten. Das hatte zur Folge, dass fortan jeden Spätsommer alle Nüsse noch am Baum erst schwarz wurden und dann verfaulten. Bis ebendiesen Herbst: Unser Nussbaum hat die Krise offenbar überwunden und ist nun so weit wieder bei Kräften, dass er viele grosse schöne Nüsse machen konnte.

Die haben meine Liebste und ich natürlich sorgsam aufgelesen und gesammelt, weshalb jetzt in unserem Wohnzimmer allerlei Säcke mit Nüssen drin rumstehen. Und irgendwer muss die jetzt alle aufmachen.

Dafür tun wir das, was wir immer tun, wenn wir Hilfe brauchen: die lieben Eltern und die guten Freunde fragen. Das heisst: Wir laden die selbstverständlich alle zum Znacht ein. Dann koche ich uns was Feines, und nach dem Essen kriegen alle einen Nussknacker in die Hand gedrückt.

Das Schöne und Beruhigende an dieser Aktion geht nun so: Wenn wir mit dem Nussknacken anfangen, laufen die Diskussionen über den fehlenden Weltfrieden und den nahenden Weltuntergang noch so intensiv wie während des Znachts. Aber bald schon werden die Argumente weniger und die Stimmen leiser, und irgendwann sind alle am Tisch wie glückliche Spatzen auf dem Telefondraht: Sie plaudern, singen, erzählen Geschichten, sie lachen. Und manchmal schweigen alle einfach ein paar Minuten lang.

Natürlich dürfen am Ende alle ihren Anteil Nüsse mit nach Hause nehmen, und wer wirklich Glück hat, wird demnächst von uns zu Kaffee und selbst gemachter Nusstorte eingeladen. Okay: Das kann auch Pech bedeuten, falls ich es bin, der sich als Bäcker versucht.

Aber das ist nicht so wichtig: Ich find’s einfach wunderbar, dass beim Nussknacken immer und auf jeden Fall Frieden einkehrt am Tisch und in der guten Stube und am Ende alle hoffnungsfroh nach Hause gehen. Kann ich nur empfehlen. Und jetzt ist ja sowieso Samichlaus- und Nussknacker-Zeit.