Hergiswil
100 Jahre «Echo vom Pilatus» sorgt für Jubelstimmung

Der älteste Unterwaldner Jodlerklub feiert bald sein 100-Jahr-Jubiläum. Doch die Zeiten für den Jodlerklub, der früher eine Pionierrolle einnahm, haben sich geändert.

Richard Greuter
Drucken

«Jodeln ist eine Herzensangelegenheit», sagt Stefan Thalmann, Präsident vom Jodlerklub «Echo vom Pilatus» Hergiswil. «Man ist ein anderer Mensch», wenn man nach der Arbeit eine Jodlerprobe besuche. So muss es auch den fünf Initianten ergangen sein, als sie vor 100 Jahren den Verein gründeten.

Drei Jahre nach der Gründung hatte der Jodlerklub Echo vom Pilatus im Jahr 1924 neun Mitglieder. Heute sind es 24.

Drei Jahre nach der Gründung hatte der Jodlerklub Echo vom Pilatus im Jahr 1924 neun Mitglieder. Heute sind es 24.

PD

In Obwalden und Nidwalden war Echo vom Pilatus der erste Jodlerklub und nahm damit eine Pionierrolle ein. Jodelliteratur gab es damals noch wenig. So war der Klub von Anfang an auf Naturjodel (Naturjuitz) ausgerichtet. In der Innerschweiz gab es damals nur den Jodelklub Edelweiss in Luzern und den Jodlerklub Heimelig in Baar. Der Jodlerklub aus dem Lopperdorf war später Mitbegründer des Zentralschweizer Jodlerverbandes und der Unterwaldner Jodlervereinigung.

1932 erstes grosses Engagement in Paris

Stefan Thalmann kam kurz vor dem 75. Jubiläum zum Verein und wirkt seither im 1. Bass. Vier Jahre später wurde er Präsident. Für den gebürtigen Romooser ging damals ein Bubentraum in Erfüllung. «Ich wollte schon mit 16 in einen Jodlerklub», so der begeisterte Jodler. Dass es fast 30 Jahre gedauert hat, habe berufliche Gründe.

Der Jodlerklub Echo vom Pilatus aus früheren Zeiten. Das Bild entstand 1961 an der 40. Jahresfeier.

Der Jodlerklub Echo vom Pilatus aus früheren Zeiten. Das Bild entstand 1961 an der 40. Jahresfeier.

PD

In einem Gespräch orientierte er über die 100-jährige Vereinsgeschichte. Der Erfolg nach der Gründung liess nicht lange auf sich warten. Der Jodlerklub wurde bald einmal über die Kantonsgrenzen bekannt. Elf Jahre nach der Gründung erhielt der Klub ein Engagement in Paris, wo er mit gestickten «Hirthemden» auftrat.

Konzerte, Jodelfeste und Ausflüge als Erinnerung

Die schönsten Erlebnisse seien die Konzerte und vor allem die Teilnahme an Jodelfesten, erinnert sich Thalmann. «Da kann man in einem Gässli zusammenstehen und ein Juiz anstimmen. Alle Jodler in der Nähe singen mit.» Aber, so Stefan Thalmann weiter, «das Wichtigste ist die Kameradschaft». Vor allem auf den zahlreichen Reisen. In Trier traten sie in eine Kirche auf. Mit Puch – einer Gemeinde nähe Salzburg in Österreich – verbindet der Jodelklub eine langjährige Freundschaft, und ein schöner Ausflug führte die Jodler in den Schwarzwald, wo sie zu Beginn einer Taufe eines Kindes auftreten durften.

100-jähriges Jubiläumskonzert in der Schwebe

Klubpräsident Stefan Thalmann.

Klubpräsident Stefan Thalmann.

Bild: Richard Greuter

Das am 26. März geplante Jubiläumsfest wurde pandemiebedingt auf den 16. Oktober verschoben. Seit dem Frühjahr fanden nach einer längeren Pause wieder Register- und Chorproben statt. «Für mich war das wieder ein Stück Heimat», freute sich Jodlerpräsident Thalmann.

Über die Jubiläumsfeier werde Mitte August definitiv entschieden. «Im schlimmsten Fall müssen wir die Feier auf nächstes Jahr verschieben.» Über das Programm wollte er sich nicht äussern. Es soll eine Überraschung geben. Echo vom Pilatus möchte verschiedene Jodellieder und Naturjodel vortragen. Darunter auch Vorträge von Gründermitglied Remigi Blättler, Melk Blättler und ihrem derzeitigen Dirigenten, Hans Setz. Geplant sind auch Auftritte von Gastformationen. Selbst eine hübsche Ländlerkapelle darf nicht fehlen.

Nachwuchs: Für vieles fehlt heute die Energie

Danach müssen die Verantwortlichen über die Bücher. «Wir müssen junge Leute für dieses Kulturgut begeistern», bringt es Stefan Thalmann auf den Punkt und hält fest, dass alle Register Verstärkung benötigen. Der Verein zählt derzeit 24 Mitglieder, davon sind vier Aushilfen. Seit 55 Jahren ist Emmi Agner, die als Vorjodlerin mitwirkt und bald 80-jährig wird, immer noch eine wertvolle Stütze. Aber auch dort drängt sich eine Verjüngung auf. «Wir müssen auch an die Zukunft der Vorjodlerinnen denken», so der Präsident. Mit diesen Nachwuchssorgen steht der Jodlerklub vom Lopperdorf nicht alleine da: «Es ist ein allgemeiner Trend, dass der Nachwuchs fehlt.» Stefan Thalmann spricht von einem Überangebot von Freizeitaktivitäten, dem Umstand, dass Junge gerne mitwirken, sich aber nicht binden möchten und auch die immer grösseren Herausforderungen im Beruf. «Für andere Sachen fehlt oft die Energie.»