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Doppelmord auf der Gruobialp: «Ich wünschte mir für sie, man könnte es nun endlich ruhen lassen»

Zum Artikel «Das Freilicht-Spiel war ein voller Erfolg» vom 28. Juli

Christa De Col
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Wollte man den Obwaldner Standpunkt beleuchten, so hätte ich mir gewünscht, man hätte Werner Durrer tatsächlich sprechen lassen. Ihn einzig und allein als Opfer behördlichen Druckes zu skizzieren, greift mir hier zu wenig. Tote sind heilig, vor allem wenn sie meuchlings ermordet werden! Aber jeder, der sich mit der Geschichte dieser zweier Männer befasst hat, der weiss, Durrer war nicht nur Opfer. Auch er trug eine gewisse Mitverantwortung. Auch er ist ein Teil dieses Dilemmas.

Ich glaube, nach mehr als 120 Jahren darf man das auch sagen. Über dies hinaus wissen wir immer noch nicht genau, was sich am 14. Oktober 1899 auf der Gruobialp abgespielt hat. Wenn ein Konflikt über so viele Jahre sich so hochschaukelt und im schlimmsten aller Enden endet, so denke ich, lohnt es sich nicht nur zu fragen, weshalb der eine schoss, sondern auch, was in dem anderen vorging?

Ich sage das ohne Verurteilung für den einen und ohne Bewertung für den anderen. Schade, hat man Adolf Scheuber Lügen und Halbwahrheiten im Verlauf der Jahre angedichtet. Ihn zu etwas gemacht, was er nicht war. Schade fand ich es auch für Werner Durrer, weil er sich nicht erklären durfte. In all den Jahren war er nur Nebenschauplatz. Dies wäre die Gelegenheit gewesen, ihm gebührend Raum und eine Stimme zu geben!

Anstatt eine künstliche Liebesgeschichte zu erfinden, wie wäre es gewesen, Adolfs Bruder, Josef Scheuber, und Werner Durrers Enkel, Kaplan, Werner Durrers Beziehung zu beleuchten? Denn sie zeigt jenseits von Hass, dass Vergebung möglich ist und auch gelebt wurde und dass am Ende von allem es einzig und allein die Liebe ist, die überdauert.

In diesen Tagen denke ich oft an Scheuber. Er ist Teil meiner Geschichte und deshalb bin ich ihm verbunden. Für mich ist er mehr als eine Anekdote, ein Theaterstück, oder ein Buch – mag es nun basiert oder eben weniger basiert gewesen sein. Ich denke an das Schicksal dieser dreier Männer. An die Familienangehörigen, Opfer- wie Täter-Seite und wie jäh sie darunter gelitten haben und ich wünschte mir für sie alle, man könnte es nun endlich ruhen lassen.