Ferienpass Nidwalden
Junge Velofahrer üben das Linksabbiegen, ohne dass sie es merken

Wellen, Slalom, Achterkurs: Am Geschicklichkeitsparcours waren Beweglichkeit und Gleichgewicht gefordert – als Training für den Strassenverkehr.

Matthias Piazza
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Leonie Amstutz befährt das Wellenhindernis.

Leonie Amstutz befährt das Wellenhindernis.

Bild: Matthias Piazza (Stans, 21. Juli 2021)

«Ist jemand ernsthaft verletzt oder hat Schmerzen?» Alle verneinen. «Jaa», tönt es hingegen wie aus einem Mund, als Marcel Müller die 15-köpfige Schar fragt, ob der Vormittag Spass gemacht habe. Es sind genau die Antworten, die er und Ramona Odermatt erhofften. «Ihr habt einen extremen Fortschritt gemacht auf diesem schwierigen Parcours», bilanziert der Nidwaldner Kantonspolizist, der mit seiner Berufskollegin an diesem Mittwoch als Verkehrsinstruktor im Einsatz steht. Statt als Mitglieder der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei beim «richtigen» Verkehr zum Rechten zu schauen, begleiteten die beiden während zwei Stunden Teilnehmende des Ferienpasses Nidwalden auf dem Platz hinter dem Pestalozzi-Schulhaus auf einem Hindernisparcours für Velofahrer.

Er war nicht ohne. Die sieben- bis zehnjährigen Kinder mussten mit ihrem Velo wellenartige und unebene Hindernisse befahren, während einer Kurve eine befestigte Kette halten, welche den Boden nicht berühren durfte, oder punktgenau bremsen, ohne dass das Vorderrad die Stange von der Halterung hinunterschupst. Beim ersten Durchgang lief's noch nicht bei allen rund. Die Balance bei den Hindernissen spielte noch nicht so recht mit. Es kam zu vereinzelten Stürzen, die aber glimpflich ausgingen und die Kinder nicht davon abhielten, sich gleich wieder einzureihen. Der Fortschritt nach jedem Durchgang war offensichtlich. Die Hindernisse wurden immer souveräner gemeistert, es kam kaum noch zu Stürzen.

Geradeaus schauen beim Befahren der Wellen

«Cool» lautete das Fazit von Nelia Wolf. Sie fahre in der Freizeit gerne Velo und fühle sich dank des Parcours nun sicherer im Strassenverkehr. Die Sicherheit war auch für Leonie Amstutz der Hauptgrund für die Teilnahme. Sie fand das Befahren des Wellenhindernisses am schwierigsten, das sie mit der Zeit jedoch im Griff hatte. «Ich schaue geradeaus», lautete ihr Erfolgsrezept.

Am Nachmittag fand derselbe Kurs nochmals statt – mit 15 Kindern ebenfalls wieder ausgebucht. Verkehrsinstruktor Marcel Müller sprach bei diesem Ferienpass-Angebot von einer wertvollen Ergänzung zum obligatorischen Verkehrsunterricht mit dem Verkehrsgarten auf dem Flugplatz Buochs in der dritten, dem theoretischen und praktischen Üben des Linksabbiegens in der vierten und der Veloprüfung mit entsprechender Vorbereitung in der fünften Primarklasse. «Mit Ausnahme des Verkehrsgartens findet die Verkehrserziehung mehrheitlich im belebten Strassenverkehr statt. Beim Geschicklichkeitsparcours können die Kinder im geschützten Rahmen üben und ihren Spass dabei haben», erklärte er das Konzept.

Auch wenn der Parcours auf Spass ausgelegt sei, würden beim Befahren der Hindernisse genau jene Fähigkeiten trainiert, die auch auf der Strasse gefragt seien. So gehe es beim Manövrieren mit der Kette darum, das Linksabbiegen zu üben, indem die Velofahrer die Kette, die sie mit der linken Hand hielten, im Auge behalten müssten. Auch das Wellenhindernis, auch wenn in der Realität kaum so extrem vorhanden, solle eine unebene Fahrbahn simulieren, wie sie bei einer Baustelle durchaus vorkommen könne. «Diese zwei Stunden haben den Kindern viel gebracht», lautet sein Fazit dieses freiwilligen Sommerplausches im Zeichen der Verkehrssicherheit.