ENNETBÜRGEN: Abschied vom Alpegruess

Ihr Jahreskonzert widmete die Jodlergruppe Alpegruess dem Naturjodel. Für den langjährigen Dirigenten Peter Hodel war es das letzte Konzert. Er übergab den Dirigentenstab an Manuela Bernasconi.

Richard Greuter
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Nach 12 Jahren als Dirigent verabschiedete sich Peter Hodel (sitzend, Mitte) von der Jodlergruppe Alpegruess. (Bild: Richard Greuter (Ennetbürgen, 7. Mai 2017))

Nach 12 Jahren als Dirigent verabschiedete sich Peter Hodel (sitzend, Mitte) von der Jodlergruppe Alpegruess. (Bild: Richard Greuter (Ennetbürgen, 7. Mai 2017))

Richard Greuter

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«Wer den Naturjuiz liebt, kann nie unglücklich werden.» Mit diesem und weiteren Zitaten zum Naturjodel eröffneten Urs Durrer und Urs Röthlisberger das diesjährige Jahreskonzert der Jodlergruppe Alpegruess am Samstag in der voll besetzten Mehrzweckhalle in Ennetbürgen. Der Konzertreigen umfasste Juize und Jodellieder von 16 Komponisten. Das Bühnenbild einer wunderschönen Bergliegenschaft verlieh dem gelungenen Jodelabend einen natürlichen Rahmen.

Mit dem «Bärgheywer-Juiz» von Neldi Ming und dem «Fluon­alp-Juiz» von Toni Vogler – beides Obwaldner Komponisten – beeindruckte der Chor von Beginn an mit Klangreinheit, Dynamik und Herzblut und wurde mit grossartigem Applaus belohnt. Für den Höhepunkt, den «Fliäbliämli-­Juiz» erhielten die Jodler einen persönlichen Tipp vom Komponisten. «Ihr miänd euch bi dem Juiz das Bliämli vorstelle», erklärte Fredy Wallimann bei einem Probenbesuch. «Fredy, miär gänd s Bescht», entgegnete Urs Röthlisberger, und dies haben die 16 Jodler dann auch getan: Die klanglichen Farbtupfer dieser Alpenblume, hervorgebracht durch die sauberen Haupt- und harmonischen Begleitstimmen, drangen tief unter die Haut der Jodlerfreunde im Saal. Zu geniessen waren auch stimmungsvolle Jodellieder wie «Es Gschänkli» von Franz Stadelmann und «Ds Erwachä» von Walter Wiedmer.

Peter Hodel liebte spontane Juize

Nach 12 Jahren verabschiedete sich der langjährige Dirigent ­Peter Hodel. «Für Peter ist es ein besonderer Abend», verkündete Präsident Marco Küchler noch vor Konzertbeginn. Am Schluss des Konzertes wurde der «Star», wie ihn Küchler in einem Reim nannte, mit Geschenken überhäuft. Die beiden Zugaben «Bärgfride» von Klaus Rubin und das vom scheidenden Dirigenten gewünschte Jodellied «Hei is Dorf» von Sepp Herger durfte er sitzend mitverfolgen. Dirigent Hodel hat die Jodlergruppe nicht nur geprägt und geformt, er wirkte auch im zweiten Bass mit. Doch das Schönste waren für den 58-Jährigen neben den Auftritten die gemeinsamen Ausflüge: «Wenn wir bei einem Ausflug spontan einen Juiz anstimmten, war das für mich das Schönste.»

Peter Hodel hinterlässt in den Bassreihen eine Lücke, die durch Werner Blättler ersetzt wird. Doch, wie zu vernehmen war, hat es bei der Jodlergruppe Alpe­gruess noch Platz für weitere Jodler. Die musikalische Leitung übernimmt Manuela Bernasconi aus Horw. Sie wird allerdings nicht mitsingen. Die Jodlergruppe Alpegruess mit seinen aus­gezeichneten Vor- und Zweitjodlern sowie den harmonisch mitwirkenden Begleitstimmen bleibt ein Männerklub.

Tschiferlicheerli mit einer Liebesgeschichte

Als erste Gastformation erfreute das Tschiferlicheerli das Publikum mit dem Naturjuiz «Läbesgschicht» von Uli Moor und weiteren Darbietungen. Unter der Leitung von Monika Ettlin widmen sich die Jodlerinnen auch dem Liedgut und hinterliessen einen kräftigen Gesamteindruck.

Das aus dem Berner Oberland und dem Emmental angereiste Jodlerchörli Berg und Tal überraschte mit dem Naturjuiz «Alter Flösserjodel» von Jakob Ummel. Frisch, frech und talentiert darf man die Sunnä-Örgeler aus Ennetbürgen bezeichnen. Beim diesjährigen Rotary-Musikpreis erzielten Marvin Näpflin und Marco Odermatt (Schwyzerörgeli) und Peter Odermatt (Bass) den zweiten Rang in der Sparte volkstümlich. Am Jodlerabend begeisterten die drei Musikanten mit experimenteller, aber auch traditioneller Volksmusik.