Buochs
Künstlerinnen laden zur Entdeckungsreise in 3D-Optik

Carmen Annen Bonati und Elionora Amstutz warten im Ausstellungsraum am Seeplatz 10 in Buochs mit neuen, überraschenden Werken auf. Am Wochenende war Vernissage.

Marion Wannemacher
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Elionora Amstutz (links) und Carmen Annen Bonati mit ihren Bildern im Hintergrund. Auf der rechten Seite eine Collage von Elionora Amstutz.

Elionora Amstutz (links) und Carmen Annen Bonati mit ihren Bildern im Hintergrund. Auf der rechten Seite eine Collage von Elionora Amstutz.

Bild: Marion Wannemacher (Buochs, 14. Oktober 2022)

Ihre Künstlerfreundschaft währt schon Jahrzehnte. Beide sind Gestalterinnen, sie lernten sich während ihrer Praktika vor rund 30 Jahren im Atelier von Bildhauer Franco Annoni kennen. Heuer stellen sie zum fünften Mal miteinander aus, in den Ausstellungsräumen am Seeplatz 10 in Buochs.

Laudator Rafael Schneuwly, im Hintergrund Elionora Amstutz (links) und Carmen Annen Bonati.

Laudator Rafael Schneuwly, im Hintergrund Elionora Amstutz (links) und Carmen Annen Bonati.

Bild: Marion Wannemacher (Buochs, 14. Oktober 2022)

Laudator Rafael Schneuwly, Mitglied der Kulturkommission Stansstad, fragte in die Runde der Vernissage-Gäste: «Was verbindet die beiden Künstlerinnen?» Die Antworten trafen sicher alle zu: «Sie haben Freude beim Schaffen.» «Sie gestalten Collagen.» «Sie lieben Farben.» Und doch könnten die Arbeiten der beiden Nidwaldnerinnen unterschiedlicher nicht sein.

Aufbrüche in eine neue Dimension

20 Werke sind seit vergangenem Wochenende von Carmen Annen Bonati und insgesamt 40 Werke mit Objekten von Elionora Amstutz in der Ausstellung zu sehen. Sie stammen aus ihrem Schaffen der vergangenen eineinhalb bis zwei Jahre. Die Künstlerinnen wagen jeweils einen Aufbruch in neue Dimensionen.

Laudator Rafael Schneuwly mit Carmen Annen Bonati (links) und Elionora Amstutz.

Laudator Rafael Schneuwly mit Carmen Annen Bonati (links) und Elionora Amstutz.

Bild: Marion Wannemacher (Buochs, 14. Oktober 2022)

Wie Laudator Schneuwly auf anschauliche Art anhand einiger Bildbetrachtungen zeigte, hat sich Carmen Annen von Paul Cézanne inspirieren lassen. «Sie nimmt uns mit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der französische Maler seine bahnbrechenden Werke auf dem Weg zur Moderne schuf», erklärte Schneuwly. Die Künstlerin interessierte sich nicht für die zahlreichen Landschaftsbilder Cézannes. Sie konzentrierte sich auf dessen wenige Stillleben mit Früchten.

Carmen Annen Bonati mit einem Stillleben aus Granatapfel und Äpfeln.

Carmen Annen Bonati mit einem Stillleben aus Granatapfel und Äpfeln.

Bild: Marion Wannemacher (Buochs, 14. Oktober 2022)

Zum ersten Mal habe sie sich mit diesem Genre ernsthaft auseinandergesetzt, konstatierte Rafael Schneuwly. Ein Schmunzeln erntete er für sein Zitat von Carmen Annen:

«Das Schönste, was er schaffte, war der Aufbau des Bildes: Tischtuch, Möbel, Töpfe. All das lasse ich weg.»

Sie würde es nie wagen, Cézannes Komposition zu verändern. «Stattdessen nehme ich nur die Früchte aus dem Bild und gestalte sie neu», sagt sie. In gewohnt keck-kreativer Manier verwandelt sie die zarten Töne Cézannes von beige, rosa oder grün in laute Farben. Dabei spielt ihre Technik eine entscheidende Rolle. Sie zerschneidet Leinwandfragmente, die sie zuvor bemalt hat, in viele schmale Streifen und klebt sie akribisch, Streifen für Streifen, wieder auf. Dadurch komponiert sie etwas Neues. Die knallbunten Früchte heben sich vom dunklen Hintergrund ab, treten in den Raum herein, muten dreidimensional an. Durch das Verrücken, das bewusste Versetzen der Streifen, werden sie noch plastischer.

Beim Ausstellungsbesuch empfiehlt es sich, jeweils eine Nische komplett anzuschauen – also nicht nur ein Bild, sondern die Kombination zwischen Stillleben und Streifenbildern. So erschafft die Künstlerin neue Räume. Wie stellte Schneuwly treffend fest:

«Wenn ein Element fehlt, fehlt etwas Elementares.»

Bilder mit buchstäblicher Tiefgründigkeit

Elionora Amstutz präsentiert in der Ausstellung vor allem drei verschiedene Bereiche ihrer Arbeiten: farbige, schwarz-weisse Collagen sowie Kabelbinder-Objekte. Bei der Betrachtung ihrer Collagen empfiehlt es sich, das jeweilige Werk aus verschiedenen Distanzen zu betrachten. Die Bildkomposition der von ihr verwendeten Bildfragmente erfolgt intuitiv und gehorcht räumlichen Prinzipien.

Der Schaffensprozess bei der Bearbeitung der Papierschnipsel, die sie wässert, aufklebt, mit Farbe oder nur Leim ergänzt und durch Abschleifen bis zur Glasur verfeinert, kann sich x-fach wiederholen. Wichtig ist ihr, was sich darunter verbirgt. Es scheint teilweise durch, gibt dem Bild buchstäblich eine Tiefgründigkeit.

Elionora Amstutz mit ihrer Collage «Kleine Welten».

Elionora Amstutz mit ihrer Collage «Kleine Welten».

Bild: Marion Wannemacher (Buochs, 14. Oktober 2022)

Elionora Amstutz ist nicht nur Gestalterin, sondern auch Bildhauerin. «Plötzlich sehe ich ganze Städte oder Räume», berichtet sie. Diese dreidimensionalen Räume eröffnen sich ebenfalls dem Betrachter. So viele Details werden sichtbar: ein Schiff, ein Haus, bei näherem Hinschauen ein Hund. Ihre Werke wirken dynamisch, vielleicht apokalyptisch, aber nie zerstörerisch. Denn da ist immer auch Hoffnung, vielleicht eine aufsprossende Grünpflanze irgendwo im Bild. Wer sich auf ihre Arbeiten einlässt, begibt sich auf eine echte Entdeckungsreise.

Hinweis: Die Ausstellung von Carmen Annen Bonati und Elionora Amstutz im Ausstellungsraum Seeplatz 10 in Buochs läuft bis am 30. Oktober. Geöffnet jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr.