Alpabfahrt in Ennetbürgen
Geschmückt mit Blumen, Zweigen und Trycheln ziehen die Viehherden mit ihren Älplern ins Tal

An der diesjährigen Alpabfahrt wurden vier schmucke Viehsenten mit ihren Älplerinnen und Älplern in Ennetbürgen empfangen. Hunderte von Besuchern trotzten dem Regen.

Sepp Odermatt
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Das Senten vom Waldmattli, Wiesenberg, hatte einen langen Weg zurückzuführen.
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Hier kommen sie in Ennetbürgen an.
Klein und gross sind dabei.
Bratkäse gehört zur Alpabfahrt.
Bratkäse gehört zur Alpabfahrt.
Auch Grillbratwürste sind beliebt.

Das Senten vom Waldmattli, Wiesenberg, hatte einen langen Weg zurückzuführen.

Bilder: Sepp Odermatt (Ennetbürgen, 24. September 2022)

Es ist zur schönen Tradition geworden, dass jeweils im Herbst die Älpler mit ihren Senten das Dorf Ennetbürgen beleben. Seit mehreren Jahren organisiert und koordiniert die Genossenkorporation Ennetbürgen diese prächtigen Alpabzüge. Peter Huser ist im Genossenrat zuständig für die Alpen und OK-Chef der Alpabfahrt. «Mit diesem Anlass wollen wir die grosse Arbeit der Älpler würdigen und ihnen einen wunderbaren Tag bescheren», erzählt er. «Mit dem Einziehen ins Dorf kann die Bevölkerung die gesunden und schön geschmückten Tiere bewundern und teilhaben an den Emotionen der Älpler und ihren Helferinnen und Helfer.» Die Natur lege den Fahrplan fest, es sei echt und keine künstliche Zeremonie, ergänzte Huser, der mit der Organisation des Anlasses sehr zufrieden war.

Die Kühe sind wie immer schön geschmückt.

Die Kühe sind wie immer schön geschmückt.

Bild: Sepp Odermatt (Ennetbürgen, 24. September 2022)

Korporation besitzt fünf Alpen

Dieses Jahr waren es vier Senten, die am vergangenen Samstag den Weg ins Tal fanden. In regelmässigen Abständen kamen sie von der Alp Wissiflue, Ochsenweid, Waldmattli und Ochsenweidli, angeführt von den beiden Mädchen Vera und Alena, die einen Leiterwagen mit der Aufschrift der jeweiligen Alp zogen. Die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer zeigten sich erfreut und begrüssten die Älpler mit einem herzlichen Applaus.

Für Genossenpräsident Albert Gabriel ist die Alpabfahrt von grosser Bedeutung. Denn der Erhalt der Alpen sei eine dauernde Aufgabe der Korporation. Und ausserdem: «Die Korporation Ennetbürgen ist im Besitz von drei Alpen am Buochserhorn, von einer auf dem Niederbauen und von der Wissiflue. Da fallen grössere und kleinere Unterhaltsarbeiten, Sanierungen und Projekte an. Deshalb pflegen wir einen regen Kontakt mit unseren Älplern und freuen uns, wenn sie gesund heimkommen.» Jetzt sei auch die Infrastruktur hier auf dem Dorfplatz vorhanden, um solch grosse Anlässe durchzuführen, liess der Korporationspräsident verlauten.

Auch die Kinder freut's

Am Strassenrand stand auch die Familie Peter und Patrizia Barmettler mit der elf Monate alten Lina. Der Käser und ehemalige Schwinger erfreute sich an den gesunden Tieren und meinte: «Es ist schön die Kühe zu sehen, von denen ich die Milch verarbeitet habe.» Patrizia ergänzte: «Mir gefallen vor allem die fröhlichen Gesichter der Frauen, Männer und Kinder, wenn sie mit ihren Kühen vorbeiziehen. Der Alpabzug ist eine wunderbare Tradition, die man unbedingt erhalten muss.»

Peter und Patrizia Barmettler mit ihrer Tochter Lina

Peter und Patrizia Barmettler mit ihrer Tochter Lina

Bild: Sepp Odermatt (Ennetbürgen, 24. September 2022)

Der siebenjährige Dario Odermatt ist mit seiner Familie an den Alpabzug gekommen und sagte: «Das Vieh anzuschauen macht mir grossen Spass, denn ich habe gerne Kühe. Ich gehe auch gerne zu meinem Gotti ins Unterleh. Hier darf ich manchmal im Stall helfen.» Später wolle er einmal Bauer werden, verriet der Erstklässler aus Buochs.

Dario Odermatt möchte einmal Bauer werden.

Dario Odermatt möchte einmal Bauer werden.

Bild: Sepp Odermatt (Ennetbürgen, 24. September 2022)

Ein alter Volksbrauch

Bea Kaiser aus Ennetbürgen ist an der Kultur und am Dorfleben sehr interessiert. Obwohl die schulische Heilpädagogin nicht besonders mit der Landwirtschaft verwurzelt ist, findet sie diesen Anlass mit Alpabzug, Bratkäse, Bratwurst, Most und Kaffee etwas Wunderbares. «Wenn Ennetbürgen etwas anbietet, dann kommen die Leute. Auch wenn das Wetter nicht mitspielt. Das ist super», fand die engagierte Ennetbürgerin.

René Bader stammt aus Basel, wohnt schon seit zwölf Jahren in Ennetbürgen und erzählte: «Mein Grossvater war Bauer im Berner Seeland. Daher bin ich mit der Landwirtschaft verbunden, auch wenn ich selber nie in diesem Bereich gearbeitet habe. Mich interessiert das Volksbrauchtum und Alpabzüge gehören natürlich auch dazu. Das ist für mich einfach Heimat.»