SYMPOSIUM
Im Zeichen ständiger Krisen diskutiert das St.Gallen Symposium einen neuen Generationenvertrag

Illustre Gäste wie der Autor Richard David Precht, die deutsche Grünen-Chefin Ricarda Lang, die Klimaaktivistin Vanessa Nakate oder der ex-IKRK-Präsident Peter Maurer diskutieren am 52. St.Gallen Symposium im Mai mit Wirtschaftsführern und Studierenden. Wichtiges Thema: Wie löst man kurzfristige Krisen, ohne die lange Sicht zu verlieren?

Kaspar Enz
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Generationendialog über Grenzen hinweg: Diskussionsrunde am St.Gallen Symposium 2022.

Generationendialog über Grenzen hinweg: Diskussionsrunde am St.Gallen Symposium 2022.

Ralph Ribi

Internationaler als während des St.Gallen Symposium ist es in St.Gallen nie, sagt Beat Ulrich, CEO des Symposiums. Die Speaker und Teilehmenden kommen aus 100 Nationen. Es sind Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die in St.Gallen über Zustand und Zukunft der Welt diskutieren, aber nicht nur: Neben fast 500 freiwilligen Studierenden der HSG, die bei Organisation, Aufbau und Durchführung helfen besuchen auch über 200 Studierende aus aller Welt den Anlass - allerdings nächtigen sie nicht in den Hotels der Region St.Gallen, sondern bei HSG-Studierenden. Denn der Dialog zwischen den Generationen stand schon in den Anfängen des Anlasses in den 1970er Jahren im Zentrum.

Beat Ulrich, CEO St. Gallen Symposium

Beat Ulrich, CEO St. Gallen Symposium

Und dieses Jahr noch mehr als sonst. Die 52. Ausgabe des Symposiums widmet sich der Suche nach einem neuen Generationenvertrag. «Wir werden sieben Prinzipien formulieren, die am Symposium diskutiert werden sollen», sagt Ulrich. Die Idee für diesen «New Generational Contract», den das Symposium gemeinsam mit dem Club of Rome lanciert, entstand bereits am letzten Symposium. Dabei gehe es vor allem darum, die langfristigen Auswirkungen heutiger Entscheidungen zu bedenken.

Feuerwehrübungen statt langfristiges Denken

Das sei heute wichtiger denn je, sagt auch Sarah Lenz, Mitglied des Kernteams von rund 30 Studierenden, die das Symposium dieses Jahr organisieren. «Zurzeit kommen viele Krisen auf uns zu, die man schnell lösen will», sagt sie. Ob es um Energie, Klima oder Pandemiebekämpfung geht: «Man ist immer dabei, Brände zu löschen. Dabei läuft man Gefahr, die langfristige Perspektive aus den Augen zu verlieren.» So könnten kurzfristig getroffene Entscheidungen langfristig schädlich sein.

Dabei hat das Team einige Brennpunkte identifiziert. So müssen viele Unternehmen derzeit mit der Lieferkettenproblematik und gestiegenen Preisen auskommen - und dabei gleichzeitig bemüht sein, in eine digitale und nachhaltige Zukunft zu investieren. Regierungen müssten gleichzeitig Altersvorsorge, Bildungs- und Gesundheitssysteme für die Zukunft fit machen - was aber schon heute Kosten verursacht. Gleichzeitig muss der Umgang mit neuen Technologien gelernt werden. Ein wichtiger Teil des neuen Generationenvertrags betreffe auch die Umwelt. So liege es in der Verantwortung der Menschen von heute, ihren Nachfahren eine gesunde Umwelt zu hinterlassen.

Podien zu Energiewandel und Hunger

Die Ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate diskutiert am Symposium über den Energiewandel.

Die Ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate diskutiert am Symposium über den Energiewandel.

Markus Schreiber / AP

Dazu sind interessante Diskussionen zu erwarten. So diskutiert Sophie Howe, Kommissärin für zukünftige Generationen in Wales, mit Desmond Lee, dem Minister für Nationale Entwicklung Singapurs. Erik Fyrwald, CEO des Agrartechnologie- und Saatgutriesen Syngenta, spricht mit Bineta Diop, Gründerin der Nichtregierungsorganisation Femmes Africa Solidarité und Verwaltungsrätin des Hunger Project über Ernährungssicherheit. Und eine Diskussionsrunde widmet sich dem Energiewandel. Es diskutieren Leonhard Birnbaum, CEO des Energiekonzerns E.on mit Marco Alverà vom Wasserstoff-Anbieter TES, Shamma Al Mazuri, die Ministerin für Jugendangelegenheiten der Vereinigten Arabischen Emirate und der ugandischen Klimaaktivistin Vanessa Nakate.

Auch der Philosoph und Autor Richard David Precht tritt auf.

Auch der Philosoph und Autor Richard David Precht tritt auf.

Imago/Frank Hoermann/Sven Simon / www.imago-images.de

Ebenfalls auftreten werden neben Bundesrat Guy Parmelin auch die deutsche Grünen-Chefin Ricarda Lang, Club-of-Rome-Co-Presidentin Mamphela Ramphele oder der deutsche Philosoph und Autor Richard David Precht, der letztes Jahr mit Aussagen zum Krieg in der Ukraine reichlich Kritik erntete. «Wir müssen mit unseren Gästen nicht immer einverstanden sein», sagt Beat Ulrich. «Aber wir müssen den Dialog suchen.» Manche Gäste sind auch nicht zum ersten Mal da. «Yasuhito Hirota war schon vor 30 Jahren hier», erzählt Ulrich. «Damals als Assistent des Toyota-Chefs.» Heute kommt er als CEO der Sportartikelmarke Asics nach St.Gallen.

Regionale Verankerung stärken

Ebenfalls wichtig ist Ulrich auch der Kontakt mit der Region und der Bevölkerung. «Diese Verankerung ist uns wichtig.» So führt er die interessierte Öffentlichkeit am Dienstag vor dem Symposium auf einem Rundgang hinter die Kulissen. Ein öffentlich zugängliches Konzert in der Tonhalle führt das Symphonieorchester der HSG-Alumni mit dem HSG-Absolventen Nicolas Senn am Hackbrett zusammen. Per Video-Stream kann die Öffentlichkeit einige der Diskussionen und Vorträge mitverfolgen, manche auch live vor Ort im Square. Doch das Symposium will dieses Jahr noch näher an die Stadt. Geplant seien auch Vorträge und Diskussionen in Gastbetrieben der Altstadt.

Wirtschaftsführer aus aller Welt

Neben den bereits erwähnten Speakern treten weitere interessante Gäste auf. Mit Guy Parmelin spricht auch dieses Jahr ein Bundesrat. Auch SNB-Präsident Thomas Jordan tritt auf. Angesichts des Kriegs in der Ukraine besonders interessant dürfte der Auftritt des lettischen Präsidenten Egils Levits werden. Bekannt ist auch der Wissenschaftsjournalist Eckhart von Hirschhausen. Auch weitere Wirtschaftskapitäne treten auf, wie Nicolai Tangen. Der Manager leitet den staatlichen Pensionsfonds Norwegens - den zweitgrössten Staatsfonds der Welt. Einen Bezug zur Ostschweiz hat auch der CEO des Modekonzerns Hugo Boss: Daniel Grieder ist der Bruder von Calvin Grieder - der ist Chef bei Bühler in Uzwil. (ken)