Faszination Keramik im Berg

LUNGERN ⋅ Zwei Frauen zeigen Töpferkunst vom Feinsten auf hohem Niveau und an einem speziellen Ort – insgesamt über hundert Werke, samt Urnen.
16. November 2015, 00:00

Kurt Liembd

Ort des Geschehens: der Brünig-Park im Fels in Lungern. Für einmal gab es keinen Schiessanlass, keine Feuerwehrübung, keinen Firmenanlass. Am Freitag dominierte «Kunst im Berg» mit den beiden Künstlerinnen Romy Hüppi aus Lungern und Cécile Donzé aus Beckenried. Rund 50 Leute erschienen zur Vernissage im Innern des Berges. Romy Hüppi zeigt Ton-Urnen, Keramik und Feuerschalen, Cécile Donzé stellt Ceramik-Art, keramische Bilder und keramische Objekte aus.

«Es ist ein besonderes Privileg, dass wir heute in diesen geheimnisvollen, beinahe etwas mystischen Kavernengängen Kunst bestaunen können», sagte Herbert Gnos, ehemaliger Präsident der Kulturkommission Nidwalden, in seiner Begrüssung. In der Tat wirken die keramischen Kunstobjekte in dieser besonderen Umgebung speziell, zum Teil fast meditativ, und lassen fast vergessen, dass sie anfänglich aus weichem Ton geformt worden sind. Erst durch das Brennen im Ofen werden die Farben und Formen so richtig zum Leuchten gebracht. Dazu kommt im Brünig-Indoor das spezielle Ambiente und die Beleuchtung.

Glücksgefühle und Zufriedenheit

«Töpfern bedeutet für Cécile Donzé ein ständiges Kreieren, ohne an eine Grenze zu stossen», sagte Thomas Huwyler in seiner Laudatio. Ihre Arbeit vermittle ein Gefühl von Freiheit sowie Glücksgefühle und Zufriedenheit über das Entstandene. Cécile Donzé selber hat bei ihren Werken ganz bewusst den Fokus auf sogenannte Kunstkeramik gelegt und nicht auf Gebrauchskeramik. Über ihre Arbeitstechnik sagt sie: «Beim Arbeiten mit dem Naturmaterial Ton muss und darf man immer wieder mit Überraschungen rechnen. Während des Brandes im Ofen werden das Material, der Ton und die Glasur enormen Spannungen und Veränderungen ausgesetzt.» Erfahrungen mit dem Kunsthandwerk Töpfern hat Donzé jedenfalls genug, führt die gebürtige Ruswilerin doch seit 36 Jahren in Beckenried ein eigenes Atelier.

Meditatives Handwerk

Romy Hüppi hat ihr Atelier in Lungern, wo sie auch zu Hause ist. Für sie besteht die Faszination des Töpferns darin, mit den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer zusammenzu- arbeiten und sich mit ihnen auf einen Prozess einzulassen. Ihre Spezialität sind Ton-Urnen zur Aufbewahrung der Asche von Verstorbenen. In dieser Thematik kennt sie sich aus, arbeitet sie doch als Sterbe- und Trauerbegleiterin und seit bald 20 Jahren bei der Spitex im Bereich Pflege und Führung.

Über ihre Urnen sagt sie: «Das Erschaffen eines Gefässes als Erinnerung ist für mich wie ein meditatives Handwerk.» Ihre Erinnerungsurnen bieten die Möglichkeit, einen Teil der Asche sicher verschlossen zu Hause aufzubewahren. «Meine Erinnerungsurnen sollen Aschengefäss und Wohnaccessoires vereinen», sagt Romy Hüppi. Ob Asche von Verstorbenen ihren Platz zu Hause haben soll oder nicht, darüber scheiden sich allerdings die Meinungen, wie Hüppi aufgrund ihrer Erfahrungen bestätigt. Nebst Ton-Urnen zeigt Hüppi zudem Steingut-Keramik wie etwa Feuerschalen, Lichtkugeln, Öllampen, Räucherschalen und vieles mehr.

Hinweis

Ausstellung «Kunst im Berg» bis 31. Januar 2016 im Brünig-Park, Walchistrasse 30, in Lungern. Die Ausstellung ist offen während der Öffnungszeiten des Restaurants Cantina Caverna: Montag 9 bis 14 Uhr, Dienstag bis Samstag 9 bis 23 Uhr und Sonntag 9 bis 17.30 Uhr. Mehr Infos: www.cecileceramikart.ch / www.wuellenlicht.ch


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