Marco Odermatt gewinnt fünfte Goldmedaille

SKI ALPIN ⋅ Für Marco Odermatt sind es die «goldenen Tage von Davos». Mit dem Sieg im Riesenslalom hat der Buochser an der Junioren-WM bei fünf Rennstarts fünf Goldmedaillen gewonnen – eine einmalige Bilanz.
06. Februar 2018, 20:57

Peter Gerber Plech

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Das hat vor ihm keiner geschafft. Fünfmal – viermal für ein Einzelrennen, einmal als Mitglied des Schweizer Teams – hat Marco Odermatt an den Junioren-WM in Davos die Startnummer übergestreift, fünfmal hat er sich an den Siegerehrungen die Goldmedaille umhängen lassen dürfen. Odermatt ist ein richtiger Nimmersatt – fünffacher Junioren-Weltmeister im selben Jahr: weder Beat Feuz (3), Benjamin Raich (3), Daniel Albrecht (3) oder Henrik Kristoffersen (2) haben eine derartige Dominanz an den Tag legen können.

Dennoch verliert der 20 Jahre alte Star der vergangenen Skitage die Bodenhaftung nicht. Auch nicht am Tag des Riesenslaloms, am Tag der fünften Goldmedaille: «Es ist extrem schön, was ich in diesen Tagen habe erleben dürfen. Aber es ist ‹nur› eine Junioren-WM. Es geht weiter. Es kommen neue Rennen, der Weltcup-Final in Are, und im nächsten Winter stehen wieder Herausforderungen an.»

Mehrfach-Gold an Junioren-Weltmeisterschaften ist kein Erfolgsgarant für künftige Erfolge. Eine eindrückliche Visitenkarte des als Riesenslalom-Spezialist bekannten und mit Speed-Fähigkeiten ausgerüsteten Nidwaldners ist es allemal. Als künftig zweite Weltcup-Disziplin steht für Marco Odermatt der Super-G im Vordergrund, und mit der gebotenen Zurückhaltung dürfte der Buochser auch an die Abfahrt herangeführt werden. «Das ist möglich, aber darüber mache ich mir jetzt gerade keine Gedanken», sagt Odermatt. Riesenslalom, Super-G und Abfahrt – kann sich Odermatt in diesen Disziplinen in der Weltelite festsetzen, dann wandelt er auf den Spuren seines grossen Vorbildes Didier Cuche.

Nach den ersten gesetzten Duftmarken – dem Junioren-WM-Titel 2016 im Riesenslalom und den ersten Weltcup-Punkten in der Saison 2016/17 – folgte im Januar 2017 der Rückschlag. Meniskusschaden – Operation, – vorzeitiges Saisonende – im Anschluss der Aufbau mit Reha und Training sowie im Dezember der Wiedereinstieg in den Weltcup.

Servicemann Lödler: «Im Weltcup die Startnummer verbessern»

Guten Resultate stellten sich vorerst nicht ein, aber im Januar dann erste Podestplätze im Europacup und der erste Sieg im kontinentalen Wettbewerb. «Marco hat offensichtlich diese Zeit gebraucht, jetzt ist er in Topform», sagt Chris Lödler, seit der Saison 2016/17 Odermatts Servicemann. Für den Österreicher ist klar, dass die Basis für weitere Erfolge des Nidwaldners gelegt ist. «Marcos nächstes Ziel muss die Verbesserung der Startnummer für den Weltcup und dort im Riesenslalom ein Platz in den Top 30 sein.» Der Athlet und sein Servicemann, für den Erfolg eine wichtige Beziehung. Lödler sagt, dass er das Vertrauen von Marco Odermatt geniesse. «Er macht seine Arbeit, ich meine – für beide eine Lösung ohne unnötigen Energieverlust», hält Odermatt fest. Die Verantwortung für die Auswahl des schnellen Skis liegt bei Lödler. Und ähnlich wie früher Beat Feuz seinem damaligen Servicemann Bruno Inniger freie Hand gewährt hat, setzt auch Odermatt auf das Know-how seines «Materialchefs».

Lödler hat seinerseits in Davos von einem Service des Verbandes profitiert. Daniel Züger, ehemaliger Rennfahrer und ex-Rennchef von Odermatts Skihersteller, hat während der Junioren-WM unzählige Gleittests gemacht und nach der schnellsten Wachsmischung für die Beläge der Schweizerinnen und Schweizer gesucht. «In der Abfahrt, wo Hundertstel entschieden haben, hat meine Arbeit vielleicht einen entscheidenden Einfluss auf Marcos Siegfahrt gehabt», sagt Züger schmunzelnd. Mehr noch, denn schliesslich haben die «Odermatt-Festspiele» von Davos mit zwei Hundertstel Vorsprung auf Sam Mulligan in der Abfahrt vom 31. Januar ihren Anfang genommen. Am Ende stehen fünf Siege – eine einzigartige Bilanz.

 

Davos (Sz). Junioren-WM, Männer. Riesenslalom:1. Marco Odermatt (SUI/Buochs) 1:39,47. 2. Gstrein (AUT) 0,97 zurück. 3. Popov (BUL) 1,32. 4. Vinatzer (ITA) 1,67. 5. 5. Rosberg Voello (NOR) 1,95. 6. Blengini (ITA) 2,30. 7. Haaser (AUT) 2,35. 8. Anguenot (FRA) 2,53. 9. Steffey (USA) 2,59. 10. Maurus Sparr (SUI) 2,85. – Ferner: 19. Arnaud Boisset (SUI) 4,16. – Im 2. Lauf ausgeschieden (u. a.): Semyel Bissig, Marco Fischbacher, Matthias Iten (alle SUI), Scott (AUS), Meisen, Gratz (beide GER), Lindstoel (NOR). – 87 Fahrer gestartet, 60 klassiert.

Stand nach dem 1. Lauf: 1. Gstrein (AUT) 51,56. 2. Marco Odermatt (SUI/Buochs) 0,06 zurück. 3. Popov (BUL) 0,48. 4. Scott (AUS) 0,68. 5. Sparr (SUI) 0,79. 6. Vinatzer (ITA) 0,84. 7. Semyel Bissig (SUI/Wolfenschiessen) 1,24. 8. Rosberg Voello (NOR) 1,27. 9. Haaser (AUT) 1,34. 10. Anguenot (FRA) und Steffey (USA) je 1, 35. – Ferner: 29. Arnaud Boisset (SUI) 2,38. 36. Marco Fischbacher (SUI) 2,69. 61. Matthias Iten (SUI) 4,00. – Im 1. Lauf ausgeschieden (u. a.): Radamus, Winters (beide USA), Mulligan (CAN), Dorner, Ploier (beide AUT), Kolega (CRO). – 128 Fahrer gestartet, 91 klassiert.


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