Jahmir Hyka: «Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung»

FUSSBALL ⋅ Jahmir Hyka (28) war als spektakulärer Dribbler und Torschütze ein FCL-Publikumsliebling. Bevor er in den USA für die San Jose Earthquakes spielt, bilanziert er seine Zeit beim FCL und findet auch kritische Töne.
16. Februar 2017, 07:42

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Jahmir Hyka, in Luzern wird gemunkelt, dass Sie kein USA-Visum bekommen haben. Ist die Situation wirklich nicht einfach, weil die Regierung von Präsident Donald Trump es muslimischen Menschen wie Ihnen schwer macht einzureisen?

Momentan warte ich in Albanien auf das Visum für die Reise in die USA. So viel ich weiss, gibt es zwischen Albanien und den USA keine politischen Probleme, und ich glaube, das hat auch nichts damit zu tun, ob jemand mus­limischen, christlichen oder jüdischen Glaubens ist. Es gibt ein paar Regeln, wenn man ein Arbeitsvisum bekommen will. Auch als Fussballprofi muss man selbstverständlich das Gesetz respektieren.

Bald dürfte das neue Leben in Übersee für Sie beginnen. Freuen Sie sich auf Nordamerika, Kalifornien und San Jose?

Ich freue mich enorm. Seit ich Profi bin, ist es mein Ziel, einmal in der Major League Soccer zu spielen. Jetzt ist die Chance gekommen – und ich bin bereit für dieses neue Abenteuer.

Wie können Sie Ihrem neuen Klub San Jose Earthquakes helfen?

In San Jose gibt es nicht so viele Spieler, die in Europa gespielt haben. Ich bin überzeugt; mit dieser Erfahrung kann ich meiner neuen Mannschaft sicher helfen.

Die Meisterschaft in Nordamerika startet Anfang März. Was erwartet Sie?

Sicher ist die Liga neu für mich. Die Major League Soccer wird jedes Jahr besser, und ich glaube, es ist nicht so einfach, dort zu spielen, wie man denkt. Viele Stars spielen dort, und ich kann sicher viel lernen und Erfahrungen sammeln.

In Luzern haben Sie den Fans in den sozialen Netzwerken mitgeteilt, dass Sie gerne geblieben wären. Sind Sie enttäuscht von den FCL-Verantwortlichen?

Ich habe fast sechs Jahre in Luzern gespielt, habe viele Freunde gewonnen und konnte mich als Spieler und Mensch weiterentwickeln. Mein Wunsch war sicher, beim FC Luzern zu verlängern. Deshalb bin ich ein wenig enttäuscht, denn ich spürte nicht, dass sie mich unbedingt halten wollten. Aber so ist das im Fussball und im Leben: Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung. Trotzdem bleibt Luzern meine zweite Heimat, und ich werde sicher wieder zurückkommen.

Sie, Sally Sarr und letzte Woche auch der bisherige Vize-Captain Tomislav Puljic mussten gehen. FCL-Verantwortliche wie Sportkoordi­nator Remo Gaugler und CEO Marcel Kälin begründen diese Abgänge damit, nicht mehr auf Spieler mit zu wenig Hunger und fehlender Winnermentalität zu setzen. Was sagen Sie dazu?

So wie ich Tomislav Puljic und Sally Sarr kenne, wurden beide in schwierigen Verhältnissen gross. Ohne diesen sogenannten Hunger wären sie nie so weit gekommen. Sowohl Puljic wie auch Sarr sind beides Spieler mit Qualität und Kollegen mit gutem Charakter. Deshalb finde ich, dass beide nicht so einen Abschied verdient haben. Sie haben beide stets immer alles für diesen Verein gegeben. Sie verdienen mehr Respekt und Wertschätzung.

In der Vorrunde waren Sie mit sechs Toren der zweitbeste FCL-Schütze hinter Marco Schneuwly. Warum haben Sie den Durchbruch zum konstanten Leistungsträger nie ganz geschafft?

Mir fehlte manchmal die Konstanz, aber ich glaube, jeder Spieler braucht Vertrauen. Dieses Vertrauen habe ich nicht immer bekommen. Es gab Spiele, in denen ich einer der Besten war, oder ich schoss zwei Tore – und im nächsten Match sass ich auf der Bank. Das hilft einem Spieler sicher nicht. Doch im letzten Jahr habe ich gezeigt, dass ich mit mehr Vertrauen ein Leistungsträger sein kann.

Sie waren der erste FCL-Torschütze in der Swissporarena. Wie wichtig ist Ihnen das?

Das ist sicher schön, weil ich mit diesem Tor vielleicht auch in Zukunft in der Erinnerung der Leute bleibe. Glücklicher bin ich aber über meine Leistung gegen Vaduz in meinem letzten Spiel in der Swissporarena im Dezember, da habe ich zwei Tore geschossen. Mein Dank gehört den FCL-Fans, sie haben mich immer unterstützt. Dem Team wünsche ich weiterhin viel Glück und Erfolg.

 

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