Neue Axenstrasse muss weiter warten

KANTON URI ⋅ Die Umweltverbände feiern einen Zwischenerfolg: Mit dem Bau von temporären Bauwerken im Gebiet «Ort» muss zugewartet werden. Ein Richter hat ihren Beschwerden die aufschiebende Wirkung gegen vorbereitende Arbeiten zuerkannt.

12. Januar 2017, 05:00

Franz Steinegger

redaktion@urnerzeitung.ch

Die geplante A 4 Neue Axenstrasse besteht im Wesentlichen aus dem Morschacher- und dem Sisikonertunnel. Dazwischen liegt die rund 120 Meter lange offene Strecke im Gebiet «Ort» am Vierwaldstättersee südlich von Brunnen. Dort sollen vorzeitig zwei temporäre Bauwerke erstellt werden: eine Strassenüberführung und ein Schutztunnel, welche für den Bau der beiden neuen Strassentunnel unabdingbar sind. 2017 ergäbe sich die Möglichkeit, diese Strassenüberführung über dem SBB-Seegleis zu erstellen, weil dieses saniert wird und für den Zugverkehr gesperrt ist (siehe Kasten).

Die Bauherrschaft A 4 Neue Axenstrasse – federführend ist das Tiefbauamt des Kantons Schwyz – hat deshalb im Dezember 2015 das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) um eine vorgezogene Teilplangenehmigung für diese beiden temporären Bauwerke ersucht. Am 12. August 2016 erteilte das Uvek diese Bewilligung.

Augenschein und zusätzliche Abklärungen angeordnet

Daraufhin gingen beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerden einer Privatperson, des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), der Alpen-Initiative und der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz ein. Sie lehnen die neue Strasse als unnötiges und teures Luxusobjekt ab, führen auch ökologische Aspekte im Gebiet «Ort» ins Feld und verlangten, dass bis zur Behandlung der Beschwerde nichts gebaut werden dürfe. In seiner Eingabe hat die Bauherrschaft A 4 Neue Axenstrasse Stellung genommen und gleichzeitig ein Gesuch um Entzug der aufschiebenden Wirkung eingereicht. Am 7. Januar hat ein Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts den Umweltverbänden einstweilen Recht gegeben. Konkret heisst das: Die temporäre Strassenüberführung über die SBB-Gleise darf erst gebaut werden, wenn die Beschwerden abschliessend behandelt sind. Der Richter hat in seiner Begründung zwar die Ausführung des Teilprojekts während des gesperrten SBB-Seegleises als öffentliches Interesse anerkannt.

Jedoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass möglicherweise irreversible Nachteile für Natur und Umwelt entstehen würden. Zudem müsse vorbehalten bleiben, ob die temporären Bauten eine unzulässig präjudizielle Wirkung entfalten, solange das Gesamtprojekt noch nicht genehmigt sei. Denn dieses ist weiterhin durch Einsprachen blockiert. Die temporären Bauten dürften erst erstellt werden, wenn die Kritikpunkte der Beschwerdeführer geklärt seien. Der Richter ordnete einen Augenschein an und fordert bis zum 1. Februar zusätzliche Fachberichte und Stellungnahmen des Bundes ein.

Noch ist eine Realisierung 2017 möglich

Trotz der aufschiebenden Wirkung werde die Bauherrschaft A4 Neue Axenstrasse «alles daran setzen, diese einmalige Chance der Totalsperrung des SBB-See­gleises für die Bauarbeiten der temporären Bauwerke zu nutzen», schreibt das Tiefbauamt Schwyz in einer Stellungnahme. Die Möglichkeit dazu bestehe noch, das weitere Vorgehen sei jedoch abhängig vom Zeitpunkt und Inhalt des Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts zu den Beschwerden. Dem steht entgegen, dass die Umweltverbände immer noch das Bundesgericht anrufen können, was weitere Verzögerungen nach sich ziehen würde. Die Umweltverbände erinnern in einer Medienmitteilung daran, «dass gegen eine Kurzumfahrung Sisikon allein kaum Einwände erhoben worden wären und diese wohl schon im Bau sein könnte».

Der Entlastung von Sisikon stehe aber «das völlig überdimensionierte, für die Umwelt schädliche Projekt der A 4 Neue Axenstrasse im Weg, welches die zuständigen Behörden auf fragwürdige Weise durchzustieren versuchen». Sie verweisen darauf, dass auch die Zulässigkeit der Aufklassierung der Axenstrasse durch den Bundesrat nicht abschliessend geklärt sei.

Die SBB haben mit den Sanierungsarbeiten begonnen

Auf der 12 Kilometer langen Axenstrecke der SBB zwischen Brunnen und Flüelen stehen bis Ende 2019 aufwendige Erneuerungsarbeiten an, um die Nutzungsdauer um weitere 50 Jahre zu verlängern. Es müssen neun Tunnel mit einer Gesamtlänge von 5380 Metern saniert werden. Erneuert werden Portale, Gewölbe, Widerlager, Entwässerungen sowie die gesamte Bahntechnik. Zudem muss der Tunnelquerschnitt auf den 4-Meter-Korridor erweitert werden. Die Arbeiten sind mit 127 Millionen Franken budgetiert und werden zwischen Januar 2017 und Dezember 2019 ausgeführt. Das seeseitige Gleis ist seit letztem Sonntag gesperrt. Diese Woche werden die Fahrleitungen gekappt und die Sicherungsanlagen von Fachleuten der SBB ausgebaut.

Nächste Woche beginnen die eigentlichen Bauarbeiten: Die Schienen werden demontiert, und der Schotter wird entfernt. Anschliessend startet die Tunnelsanierung: Die Tunnelsohle wird zwischen 5 und 30 Zentimeter abgesenkt, teilweise mittels Sprengung. Erste Testsprengungen sind bereits für Ende Januar geplant. Auf den Bahnbetrieb haben diese Arbeiten keine Auswirkung, weil der Verkehr auf diesem Abschnitt einspurig abgewickelt werden kann.

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