Diese Buochserin entflieht im Winter der Kälte

BUOCHS/TENERIFFA ⋅ Es gibt Personen, die aus gesundheitlichen Gründen die kalte Jahreszeit schwer ertragen. Josefine Kaufmann (70) aus Buochs etwa. Sie hat sich ein zweites Standbein auf Teneriffa aufgebaut – wo sie auch unfreiwillig ein Amt übernehmen musste.
06. Dezember 2017, 05:00

Sepp Odermatt

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Es ist Oktober. Eine Nebeldecke liegt über dem Vierwaldstättersee. Josefine Kaufmann (70) aus Buochs überlegt, was sie noch alles organisieren muss. Denn schon bald ist sie nicht mehr in der Schweiz. Anfang November hebt sie ab. Seit acht Jahren entflieht sie dem Winter in der Schweiz und geniesst ihr Leben von November bis April auf der kanarischen Insel Teneriffa. Auf der spanischen Insel leben knapp 900 000 Einwohner. Rund 5 Millionen Touristen besuchen die Insel pro Jahr. Die Schweizerin kommt zum Überwintern hierher und wird von den Einheimischen als «Golondrina» bezeichnet, also als «Schwalbe».

Josefine Kaufmann leidet an Rheuma und würde während der kalten Winterzeit in der Schweiz regelmässig von Schmerzen geplagt. Auf Teneriffa sind die milden Temperaturen und die Trockenheit hingegen eine Wohltat für ihre Gelenke, Muskeln und Sehnen. Bevor es jedoch so weit ist, muss noch vieles erledigt werden. Für die rüstige Rentnerin ist das aber kein Problem. Schliesslich hat sie vor Jahren als Geschäftsinhaberin einer Personalberatungsfirma ganz andere Aufgaben lösen müssen. Jetzt sind es persönliche Dinge, die anstehen. Wer leert zu Hause das Postfach? Wer schaut zur Wohnung? Und da ist noch ihre vierbeinige Beglei­terin Laika. Selbstverständlich kommt die treue Labradorhündin auch mit. Das gibt noch mehr zu organisieren. Vor der Reise muss die Hündin noch geimpft werden. Der Reisepass und alle nötigen Papiere des Tieres liegen bereit.

Plötzlich ist sie Präsidentin

Sobald alles organisiert ist, ist es denn auch schon so weit. Am Flughafen in Zürich wird Laika in einer grossen Box als Fracht transportiert. Nach etwas mehr als vier Stunden Flugzeit erreichen die beiden den Flughafen Reina Sofia, Teneriffa Sur. Hier wartet eine gute Freundin und bringt die beiden mit dem Auto nach Adeje in ihre Wohnung.

Weil sie in der Zwischenzeit schon sehr gut Spanisch kann, ist Josefine Kaufmann in der Gegend gut integriert. So gut, dass ihre Wohneigentumsgesellschaft «mich vor vier Jahren ohne meine Zustimmung an der Generalversammlung zur Präsidentin wählte», erzählt sie. Die beiden Vorgänger, ein Deutscher und ein Kanare, hätten sich mit hochroten Köpfen gestritten. Das sei dann für die Versammlung definitiv genug gewesen. «Es ist recht schwierig, den Wünschen und Anliegen der 41 Eigentümer mit elf verschiedenen Landessprachen gerecht zu werden», sagt die Vorsitzende der Comunidad Las Barandas. Entschädigt wird sie für ihren Aufwand nicht.

Andere Länder – andere Sitten

Auch sonst geschieht – für Schweizer Verhältnisse – gerne mal Kurioses: Eines morgens ging Josefine Kaufmann zu ihrer Bank und wollte 4000 Euro für den Umbau ihrer Wohnung abheben. Der Bankbeamte schaute sie mit grossen Augen an und erklärte: «Ich kann dir nur 1500 Euro geben, mehr habe ich nicht. Aber ich werde dir 2000 bestellen und reservieren, dann kannst du das Geld nächste Woche abholen.»

«Ohne Berge würde ich mich hier nicht wohl fühlen»

Für Josefine Kaufmann haben beide Welten – Nidwalden und Teneriffa – ihre Vorteile: «In Nidwalden haben wir den See und die Berge. Hier in Adeje gibt es das Meer und die Berge. Der Teide ist mit seinen 3718 Metern denn auch der höchste Berg Spaniens. Ohne Berge würde ich mich hier nicht wohl fühlen», erzählt sie, die wie eine «Golondrina» (Schwalbe) den kalten Winter meidet und diese Zeit in wärmeren Gefilden auf Teneriffa verbringt.


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