Buochs soll Drehscheibe des fairen Goldhandels werden

NIDWALDEN ⋅ Diskretion gehört zum Geschäft mit Edelmetallen. Wohl deshalb weiss auch kaum jemand, wie die Swiss Bullion Company in Buochs daran ist, mit Einheimischen im afrikanischen Mali einen fairen Goldhandel zu betreiben.
29. August 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

Mali, der Staat in Westafrika mit knapp 19 Millionen Einwohnern, ist reich an Bodenschätzen. Zu den bedeutendsten gehört Gold, Mali ist der drittgrösste Produzent in Afrika. Und doch lebt ­ungefähr die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Daran trägt auch der Goldhandel mit den Industrieländern eine ­gewisse Mitschuld. «Das System und die Marktregeln des Goldhandels sind alt. Daran etwas zu ändern, ist schwierig. Grosse etablierte Firmen haben natürlich kein Interesse», sagt einer, der es wissen muss: Dario Littera ist Inhaber und CEO der in Buochs ansässigen Swiss Bullion Company (SBC Group), die im Goldhandel tätig ist. Man glaubt dem 51-jährigen agilen Mann, wenn er sagt: «Ich habe keine Freunde im Goldhandel.»

Zu sehr unterscheidet sich sein Konzept von der herkömmlichen Art, wie der Goldhandel in Afrika funktioniert. Grosse Firmen haben eigene Minen oder Abbaugebiete, das Gold werde nicht in Afrika verarbeitet, in soziale Einrichtungen fast nichts investiert, nur sehr selten baue man Wasser- oder Stromversorgungen. Ziehen die Firmen weiter, bleibe den Einheimischen nichts. «Oft wird nicht mal aufgeräumt oder die Gruben zugeschüttet», sagt Littera. Lange gab es für 42 Länder in Afrika nur eine einzige Raffinerie, um Gold zu verarbeiten. «Vorsichtig geschätzt nehme ich an, dass allein in Mali 1,5 Millionen Menschen vom Goldhandel leben. Mit Gold verdienen sie ihr tägliches Brot, man kann es durchaus mit der hiesigen Landwirtschaft vergleichen.» Die ländlichen Goldsucher machen nichts anderes, als goldhaltiges Gestein zu sammeln und zur Verarbeitung zu verkaufen, wie hier ein Landwirt seine Milch dem Käser verkauft.

Aus dem Projekt mit der Regierung wurde nichts

2010 gründete Dario Littera in Buochs die SBC Group. «Ich wollte weg vom klassischen Weg der grossen Firmen, ich wollte fairen Handel mit den Einheimischen.» Im Busch seien Leute aus aller Herren Länder unterwegs, die der ruralen Bevölkerung ihr gesammeltes Gold zu Tiefstpreisen abkauften. Litteras Firma nimmt bei Käufen als Referenzpreis immer den internationalen Goldkurs. Mittlerweile gehören zur SBC, die weltweit rund 180 Personen beschäftigt, neben Niederlassungen in Hongkong, Dubai und Südafrika auch zwei Raffinerien in Italien und in Mali. Beide modern und typengleich – diejenige in Italien ist von der Staatsbank Banca d’Italia zertifiziert – eine Voraussetzung, dass die dort hergestellten Goldbarren und Prägungen offiziell als Finanzgold akzeptiert werden. Geschäftszahlen gibt die SBC keine bekannt.

Mit der Raffinerie in Mali ist für Dario Littera ein Traum in Erfüllung gegangen. Zu seinem Konzept gehört es, den ganzen Kreislauf so zu gestalten, dass möglichst viel von der Wertschöpfung im Land bleibt und auch lokale Banken und Versicherungen involviert sind. Eigene Minen will die SBC nicht betreiben. «Das war anfänglich eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt, aber es hätte eben nicht zu unseren Zielen gepasst», betont Dario Littera. «Die Unabhängigkeit ermöglicht es uns auch, die gesamte Wertschöpfungskette in der Goldindustrie sozial verantwortungsvoll unter den verschiedenen Beteiligten zu verteilen», so Littera.

Anfänglich hiess das nur Handel und bei den Einheimischen sauberere Methoden mit weniger Chemikalien zu propagieren oder sie mit Technik und Maschinen zu versorgen. Seit 2015 ist es die Raffinerie Kankou Moussa in Malis Hauptstadt Bamako mit einer täglichen Produktionskapazität von rund 100 Kilo Gold, die für die Herstellung verantwortlich ist. Dario Littera verhehlt nicht, dass es bis dahin ein langer schwieriger Prozess war. Ursprünglich war sie als staatliche Raffinerie mit einer Tages­kapazität von 400 Kilo geplant. Nach einem Machtwechsel im Land entschloss man sich, diese zu verkleinern und selber zu betreiben. «Doch, heute schlafe ich gut», sagt Littera auf die Frage, wie er damit umgehe, eine Investition in einem politisch äusserst instabilen Land zu besitzen. Das sei aber längst nicht immer so ­gewesen.

Flugplatz Buochs wäre begrüssenswert

Furcht ist ein Fremdwort für Littera. Der Mann, der einen italienischen Pass hat, sich aber als Weltenbürger bezeichnet, kam erst mit 16 Jahren zum ersten Mal nach Italien (Rom) und studierte später Wirtschaftsmanagement an der Universität Perugia. «Mein Vater hatte zuvor für die Vereinten Nationen gearbeitet, und zwar immer da, wo es auf der Welt Probleme gab. Ich habe in meinen Jugendjahren viele Kriege gesehen», erzählt Littera, der bis ins 40. Lebensjahr sage und schreibe 92-mal umgezogen ist. Wohl auch deshalb macht es ihm keine Angst, in einem Land wie Mali, für das das Auswärtige Amt wegen der Gefahr von Entführungen von Reisen abrät, mit dem Offroader in den Busch zu fahren. «Ich liebe es, selber in die Dörfer zu den Einheimischen rauszufahren. Aber ich habe schon Bodyguards und Security-Leute dabei.»

Für seine Idee, via Mali seine Firma aufzubauen, verliess er seine bisherige Büro-Komfortzone im Finanzmanagement. «Es war ein Abenteuer mit vielen Fragezeichen.» Während für die meisten Rohstoffhändler hinter den Produkten nur kalte Zahlen stehen, kennt Littera die genauen Umstände der Herkunft – wohl ein wesentlicher Grund für die soziale Komponente seines Konzepts. Rund einen Drittel seiner Arbeitszeit verbringt er in Mali, den Rest in seiner Firma in ­Buochs. Doch warum ist der Hauptsitz gerade hier und nicht in Zug oder Zürich? Mit steuer­lichen Gründen habe es nichts ­ zu tun, er habe damals bei null angefangen. «Es war die Umgebung. Ich war damals für einige Tage geschäftlich in Nidwalden. Da habe ich mich entschlossen, hier zu wohnen und zu arbeiten.»

In Buochs arbeiten heute fünf Personen und führen den weltweiten Handel der Gesellschaft oder kontrollieren online das tägliche Geschäft der beteiligten Firmen. «Hier finden wir auch die nötige Diskretion, wir können von hier aus handeln und planen. In der Schweiz funktioniert immer alles.» Begrüssen würde Dario Littera auch die viel diskutierte Weiterentwicklung des Flugplatzes in Buochs. «Wenn wir ihn nützen könnten, würden wir uns sogar eine Verlegung unseres internationalen Golddepots von Dubai überlegen. Ich hätte dieses lieber hier in der Schweiz.» Gegründet hat Dario Littera auch den Swiss Malian Honor Circle, eine Non-Profit-Organisation, die als Netzwerk für Geschäftsbeziehungen dienen soll, aber auch einen sozialen Zweck erfüllt. So werden jedes Jahr zwei Hilfscontainer mit gesammelten Kleidern, Möbeln, Spielsachen und anderem auf Kosten der Organisation nach Mali geschickt.

Hinweis: www.sbcag.ch


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