Reto Odermatt haucht dem Holz ein zweites Leben ein

STANSSTAD ⋅ Bei Holzbildhauer Reto Odermatt (40) stimmt alles: von seiner Liebe zum Holz bis zu den fertigen Objekten. Nun kann man seine Werke in der Sust bewundern.
12. September 2017, 04:39

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Eine überdimensionierte Wirbelsäule, eine Holzbeige mit märchenhaften «Schiitergrinde», Schmuckstücke aus Holz, wundersame Holzskulpturen: All das und noch viel mehr kann man zur Zeit in der Sust auf drei Etagen bewundern. Das zahlreiche Publikum zeigte sich an der Vernissage vom Freitagabend begeistert von Holzbildhauer Reto Odermatt. Der in Stans aufgewachsene Künstler lebt heute mit seiner Familie in Flüeli-Ranft. In diesem Ort der Kraft und Inspiration hat er sein Atelier, wo er als selbstständiger Holzbildhauer tätig ist. Seine Werke sind sehr vielseitig, von traditionell bis modern, von naturalistisch bis abstrakt. Nicht umsonst gilt er in der Kunstszene als Geheimtipp, was Holzbearbeitung anbelangt.

Nur Mondholz ist ihm gut genug

Kreativ und anregend sind nicht nur seine Werke, sondern auch das Gespräch mit ihm. «Meine Arbeitsphilosophie liegt tief in der Natur.» Naturmaterial Holz spreche eine eigene Sprache, weshalb er es als seine Aufgabe sehe, diese Sprache den Menschen weiterzugeben. Dies mache er, indem er dem Holz die schönsten Seiten seines Seins freilege. Im Gespräch mit ihm fallen wiederholt die gleichen Begriffe: «Das Leben, die Sprache, die Wärme des Holzes.» Dabei setzt er höchste Ansprüche an sich und ans Material. Nur das sogenannte Mondholz ist ihm gut genug. Bekanntlich soll die Qualität des Holzes am besten sein, wenn der Baum bei abnehmendem Mond und in bestimmten Monaten gefällt wird. Auch wenn dies wissenschaftlich nicht ausreichend bewiesen ist, sind die positiven Einflüsse in den formschönen Kunstwerken von Reto Odermatt beeindruckend. In seinen Werken spürt man nicht nur den Künstler, sondern auch den Handwerker und den Ästheten.

So heisst eines seiner Werke «Wirbelsäule». Diese, aus einem Baumstamm herauswachsend, erinnert mit ihrer Grösse an einen vorsintflutlichen Saurier sowie auch an die Symbolik der menschlichen Wirbelsäule. Dies hat den Stanser Heimatdichter Sepp Joller veranlasst, die Vernissage mit Versen im Nidwaldner Dialekt zu verschönern. So sagte er zu diesem Werk unter anderem: «Ai eysi Natuir hed ä Wirbel-Seyli, isch sie nu gsund und ohni Feyli? Hend miär Mänschä s Riggä-Grad, wo eysi Natuir eys nu verstaht?»

Ein anderes Werk sind die märchenhaften «Schiitergrinde» in einer Holzbeige, auf der einen Seite zu Gesichtern verarbeitete Holzscheite, die laut Odermatt «viel zu schade sind, um einfach verbrannt zu werden». Diese Köpfe sind ein weiteres Beispiel, wie Holz für Odermatt auch nach dem Fällen und Bearbeiten weiterlebt.

Ein besonderes Werk aus Kehrsiten

Auch ein Werk mit Lokalkolorit besticht die Besucher – die Skulptur Kehrsiten aus zwei ausgehöhlten Baumstämmen. Speziell daran: Das Holz stammt von der Linde, die 200 Jahre lang hinter der Kapelle Maria in Linden in Kehrsiten stand und aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste. Und was das Mondholz betrifft: Die Fällung erfolgte damals auf Rat von Reto Odermatt am 21. Dezember 2013 um 11 Uhr, zur Wintersonnenwende. Auch hier zeigt sich, dass es dem Künstler gelingt, bei jedem Holzstück die schönste Seite freizulegen. Seine Liebe zum Material ist beispiellos, wenn er sagt: «Nie verdient das Holz mehr Respekt als vor dem Fällen des Baumes.»

Hinweis: Die Ausstellung in der Sust Stansstad dauert noch bis am 1. Oktober 2017. Öffnungszeiten: jeweils samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr. Künstlergespräch am Freitag, 22. September, von 19.30 bis 20.30 Uhr.


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