Alain Berset: Klartext auch in Nidwalden

PRO SENECTUTE ⋅ In Stans konnte die Schweizer Stiftung im Dienste älterer Menschen zu ihrem 100. Geburtstag Bundesrat Alain Berset begrüssen. Der hohe Gast blieb der Bevölkerung auf dem Dorfplatz keine Antwort schuldig.
13. August 2017, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Nidwaldens Frau Landammann Yvonne von Deschwanden fand an diesem regnerischen Samstag viele lobende Worte für die jubilierende Pro Senectute. Ihre Tätigkeit sei für Land und Leute ein Glücksfall, sagte sie. Seniorinnen und Senioren forderte sie auf: «Sehen wir im Alter eine grosse Chance mit vielen positiven, neuen Möglichkeiten.»

Damit dies heute – und eben auch in Zukunft – noch möglich sei, brauche es aber Franken und Rappen, meinte der ranghöchste Geburtstagsgast, Bundesrat Alain Berset. «Der Stanser Dorfplatz mit dem alten Rathaus, der schönen Kirche und dem Winkelrieddenkmal steht für gutschweizerische Tradition, die hier gepflegt wird», lobte er. Doch im selben Atemzug fügte er hinzu: «Dass es mich ganz besonders freut, heute hier zu sein, hat vor allem mit der Weitsicht dieser Gemeinde zu tun.» Dann zitierte der Innenminister – zur Überraschung der vielen Gäste – einen Satz aus dem Stanser Altersleitbild: «Stans fördert ein selbstbestimmtes Altern in Würde.» Im Hauptort des Urkantons nehme man den demografischen Wandel der Schweiz nicht einfach als Schicksal hin. Vielmehr wolle man ihn aktiv gestalten. Dies, so Berset weiter, sei bemerkenswert. Stans habe nämlich mit seinem Projekt «Alter 2030» eine erfreuliche Vorreiterrolle eingenommen.

Natürlich kam die heikle Frage

Genau dafür, dass «Altern in Würde» auch in Zukunft nicht nur ein Versprechen, sondern eben Realität bleibe, setzten sich in diesen Tagen vor der Abstimmung über die Rentenreform der Bundesrat, der Stände- und der Nationalrat ein, betonte Berset. Dann wehrte er sich – einmal mehr mit den bekannten Argumenten – für den typisch schweizerischen Kompromiss, über den das Volk am 24. September befinden soll. Der SP-Mann sagte wörtlich: «Gerade weil weder meine SP noch eine andere Partei zu 100 Prozent mit der Vorlage einverstanden sind, ist sie letztlich eine gute Sache.» Natürlich sei sie nicht «das letzte Gelbe vom Ei». Dennoch sei sie ein wichtiger Schritt im richtigen Moment. Am Ende würden alle gewinnen: gegenwärtige Rentner wie eben auch die ältere und jüngere Generation der Arbeitenden, so Berset.

Die brisante Frage – sie lag vom ersten Moment an in der Luft – kam denn auch prompt. Der Ennetbürger FDP-Politiker Heinz Metz monierte: «Herr Bundesrat, Ihre Feststellung, dass bei einem Nein der Weiterbestand der AHV nicht gesichert sei, trifft einfach nicht zu.»

Alain Berset zeigte sich glücklich, dass er dazu auch in Stans nochmals «Klartext» reden dürfe. «Es sind Fakten, Fakten, Fakten», rief er den Leuten zu. «Wenn wir jetzt, nach 20 Jahren Stillstand, nichts unternehmen, sind wir 2029 nicht mehr in der Lage, die Renten zu bezahlen.»

Immer wieder betonte der Magistrat auch, wie sehr er es liebe, sich unter die Bevölkerung zu mischen, um alle weiteren Fragen direkt und unkompliziert zu beantworten. Das tat er denn auch ausgiebig. So erfuhr man etwa, wie gut er die Geschichte des Halbkantons kennt. «Der Beitritt meines Heimatkantons Freiburg wurde 1481 durch die Tagsatzung in Stans ermöglicht», erklärte er. Und auch Bruder Klaus, der damals wohl das Machtwort gesprochen hatte, sei ihm kein Unbekannter. Viele Hände drückte Berset, auch fotografieren liess er sich gerne. Und er wurde nicht müde, auf dem Stanser Dorfplatz seine zentrale Botschaft Mal für Mal zu formulieren: «In der Geschichte der Eidgenossenschaft hat es immer wieder wichtige Momente gegeben, wo man Klartext reden, sich finden musste. Ich hoffe, dass dies uns Schweizern auch in der heutigen Zeit wieder gelingt. Dass wir zusammen einen Weg in die Zukunft finden. Für unsere nächste Generation!»

Video: Bundesrat Berset in Stans

Der Bundesrat Alain Berset war am Samstag anlässlich des 100-Jahre-Jubliäums von Pro Senectute in Stans. (Tele1, 12. August 2017)




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