Lernende kochen für ihre Ausbildner

NID-/OBWALDEN ⋅ Die Drittlehrjahr-Köche stehen in der Küche des «Winkelrieds» in Stansstad. Gemeinsam bereiten sie einen Fünfgänger zu. Für sich, ihre Lehrer und ihre Lehrmeister.
06. April 2017, 05:00

Emsiges Treiben herrscht am Dienstagnachmittag in der Küche des Hotels Winkelried in Stansstad. 18 Kochlehrlinge des dritten Lehrjahrs sind an der Zubereitung eines Fünfgangmenüs. Unterstützt werden sie von drei Lehrlingen des «Winkelrieds». An verschiedenen Stationen kümmern sich die Lernenden um Suppe, Vor- oder Hauptspeise sowie Dessert. Es wird gerüstet, gehackt oder geschnitten. Die Stimmung ist aufgeräumt.

Für sechzig Gäste kochen die Lehrlinge. Sie selber dürfen sich an diesem Abend ebenfalls zu Tisch setzen. Gemeinsam mit Vertretern der Berufsschule, Behörden, Lehrbetrieben und Eltern, wie Hansruedi Odermatt gegenüber unserer Zeitung sagt. Der Lungerer «Bahnhöfli»-Wirt ist bei Gastro Obwalden zuständig für die Berufsbildung. Gastro Obwalden und Gastro Nidwalden organisieren den Anlass dieses Jahr zum vierten Mal. «Das Ziel ist, dass alle diese Leute zusammen am Tisch sitzen, zusammen ein gutes Menü essen und auch einmal auf einer anderen Ebene zusammen kommunizieren.» Man lerne den Lehrer, den Rektor oder den Lehrmeister besser kennen. Das könne die Wege vereinfachen, sollte es einmal ein Problem geben.

Image der Gastroberufe verbessern

«Hausherr» Roland Hirtenfelder stellt seine Küche zur Verfügung. «Für mich persönlich ist es wichtig, so eine Aktion zu machen», sagt der Geschäftsführer des Hotels Winkelried. «Wir leiden darunter, dass wir zu wenig Lehrlinge bekommen.» Das gelte für die Berufe der gesamten Gastronomiebranche, jedoch in besonderem Masse für die Köche. «Je mehr wir nach aussen gehen, desto mehr zeigen wir den Lehrlingen, dass sie geschätzt werden für ihre Arbeit.» Und umso mehr gebe es wieder Nachwuchs. «Es ist ein sehr schöner Beruf, aber das können wir zu wenig vermitteln. Und hier möchte ich etwas beitragen», so Hirtenfelder. Man müsse das Image der Gastroberufe wieder verbessern.

Zusätzliche Vorbereitung auf Lehrabschlussprüfung

Zurück in die «Winkelried»-Küche. Dort wird weiterhin fleissig vor- und zubereitet. Das Menü haben die Lernenden, die alle aus Ob- und Nidwalden kommen, zusammen mit ihrem Fachlehrer Kurt Wittwer erarbeitet. Es sei für die Lernenden auch eine zusätzliche Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung, die in wenigen Wochen ansteht. «Dort müssen sie neben Pflichtgerichten, welche die Experten bestimmen, aus einem von vier vorbereiteten Warenkörben ein Menü zubereiten», erklärt er.

In einer Ecke der Küche beschäftigt sich Martin Amstutz mit weissen und grünen Spargeln. «Ich mache das Spargelragout für den Fischgang», sagt der 18-Jährige aus Sachseln, der im Hotel Belvoir im gleichen Ort seine Lehre absolviert. «Ich arbeite gerne mit Lebensmitteln, und mir gefällt das Kreative», sagt er zu seinen Beweggründen für eine Kochlehre. Bereits zweimal durfte er am Creative-Tartelettes-Wettbewerb der Firma Hug teilnehmen. Dieses Jahr steht die dritte Teilnahme an. Nach dem Lehrabschluss möchte er gerne weiter auf dem Beruf bleiben. «Erst mal kommt dann sicher noch die Rekrutenschule», sagt er. Danach wisse er noch nicht, wo es hingehe. «Ich bin offen. Mit meinem Beruf kann ich in die ganze Welt gehen, und das ist das Coole.»

Eine Reihe weiter steht Jolanda Odermatt und hackt gerade Maiskörner klein. «Im Moment mach ich die Füllung für die gefüllten Zucchetti», erklärt sie. Man lerne sehr viel über Lebensmittel, nennt sie einen Grund, warum sie sich für eine Kochlehre entschieden hat. Es sei sehr interessant, die zahlreichen Arten kennen zu lernen, Lebensmittel zuzubereiten und zu verarbeiten, «aus etwas Einfachem etwas Schönes und Kreatives zu machen». Die 18-jährige Buochserin lernt im «Rössli» in Beckenried. Bis im Herbst wird sie noch dort bleiben, dann steht Reisen auf dem Programm. Dann möchte sie die Berufsmatura machen. Wie es anschliessend weitergeht, weiss sie heute noch nicht genau.

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch


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