Im Horwer Fablab kommen Tüftler auf ihre Kosten

TECHNIK ⋅ Verlorene Schrauben drucken, einen Ring gravieren oder einfach den Prototypen einer Idee anfertigen: In der Kreativ-Werkstatt Fablab der Hochschule Luzern kann jeder zum Erfinder werden.
Aktualisiert: 
16.04.2018, 15:00
16. April 2018, 11:43

Martina Odermatt
martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Die Sonne steht tief an diesem Nachmittag in Horw und rückt damit all die kleinen Figürchen und Kreationen im Raum in ein besonderes Licht. Im Hintergrund dröhnt eine Fräse, die durch Metall schneidet, und der 3D-Drucker zieht seit zwei Stunden unaufhörlich seine Runden mit dem roten Kunststoff-Faden. In einer Ecke sind Spanplatten in unterschiedlicher Dicke aufgereiht, in Kisten liegen etliche kleine Prototypen in allen Farben, in den Regalen stehen Lampen oder Star-Wars-Figuren – hergestellt mit einem 3D-Drucker.

Wir befinden uns im Fablab, einer Kreativ-Werkstatt des Departements Technik und Architektur der Hochschule Luzern in Horw. Ein Ort «wo man fast alles machen kann», sagt Marco De Angelis, Dozent für Produktentwicklung an der Hochschule. Hier will man die Leute selber machen lassen – nicht nur Studenten sondern alle Bastler. Fräse, Laser Cutter oder 3D-Drucker stehen bereit.

Wir nehmen den Cutter in Beschlag. Labmanager Chris Obrist zeigt, wie man mit dieser Maschine eine Biene ausschneiden kann. Der rote Laser der Maschine brennt Umrisse in die Spanplatte. Er schneidet verschiedene Teile aus, die sich am Schluss zu der Biene zusammen stecken lassen. Drei Minuten dauert der Vorgang. Studenten nutzen diesen Cutter etwa, um Modelle für das Studium zu entwickeln. Musste man früher für einen Modell-Eiffelturm alles mühsam selbst ausschneiden, erledigt dies die Maschine innert kürzester Zeit. Nur noch das Zusammenstecken wird von Hand gemacht.

Kurze Einführung, dann geht's los

Nach einer Einführung dürfen auch Externe alle Geräte bedienen – und das verhältnismässig erschwinglich. «Wichtig ist, dass man mit einer Idee hierhin kommt», sagt Obrist. Auch wichtig: Man muss die Maschinen selbstständig bedienen und das Projekt selber realisieren wollen. «Ergeben sich Fragen bezüglich der Umsetzung, darf man aber immer die Labmanager fragen. Sie haben immer Ideen für eine Umsetzung», sagt De Angelis.

De Angelis selbst ist auch ein Tüftler. Sein Kopf ist voller kreativer Ideen. So hat er etwa eine Schutzhülle für Schaumküsse gebastelt, damit er die Süssigkeiten problemlos in der Tasche transportieren kann. Auch das Umfeld profitiert von seinem Erfindergeist. Für einen Freund hat er eine spezielle Espressotasse entworfen. «Er mochte es, Zwieback in seinem Espresso zu tunken. Mit herkömmlichen Tassen ist das aber sehr schwierig», sagt De Angelis. Also hat er eine neue Tasse entworfen. Eine längliche, damit der Zwieback genau darin Platz hat. Im Fablab entworfen, hat er sein Modell dann an einen Anbieter geschickt, der die Tasse in Keramik herstellen konnte.

Gedruckt wird nur mit Kunststoff

Denn auch wenn im Fablab vieles möglich ist, in der Werkstatt geht es in erster Linie um die Herstellung von Prototypen, um das Ausprobieren und das erste Visualisieren von Ideen, noch nicht um das fertige Produkt. Deshalb kann man auch nicht mit Holz, Metall oder gar Gold drucken, wie es in professionellen Druckereien möglich ist, sondern mit Kunststoff. Diese Technik ist nicht mehr neu, aber: «Viele Leute haben noch etwas Berührungsängste, etwa wenn es um die Computer-Programme geht. Dabei sind diese heute sehr einfach zu bedienen», sagt Obrist.

Hat man seinen Prototypen hergestellt, kann man diesen theoretisch weltweit an Firmen schicken, die dreidimensional drucken können. Auf diese Weise entstand auch die Keramiktasse von Marco De Angelis. Doch so ausgefallen muss es nicht immer sein. Nutzer im Fablab können auch verlorene Schrauben nachdrucken oder etwa einen Ring gravieren lassen. «Letztens hat sich jemand einen Prototypen für ein Modellflugzeug gebastelt», nennt Obrist ein weiteres Beispiel. «Wir wollen die Leute inspirieren», sagt er. Tatsächlich regt das Fablab die Fantasie an und macht Lust auf Basteln. Auch die Biene hat mittlerweile Gestalt angenommen. Nur Fliegen, das tut sie nicht.
 

Hinweis

Informationen zu Öffnungszeiten und Preisen finden Sie unter: www.fablab-luzern.ch

  • Ein Blick in das Fablab auf dem HSLU Campus Luzern in Horw. (© Philipp Schmidli (10. April 2018))
  • Der Eingang des Fablabs. (© Philipp Schmidli (10. April 2018))
  • So sehen die 3D Drucker im Fablab aus. (© Philipp Schmidli (10. April 2018))

Impression aus dem FabLab 3D Drucklabor auf dem HSLU Campus Luzern in Horw.

Video: Einblick ins Fablab an der HSLU in Horw

Im Fablab beim Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern in Horw kann jeder zum Tüftler werden und seine Ideen mit Fräse, Laser-Cutter oder 3D-Drucker Realität werden lassen. Hier ein paar Einblicke ins Labor. (Martina Odermatt, 16.04.2018)




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