Rubel, Tubel, Heiterkeit – und das vierfach

VORFASNACHT ⋅ Das Gnagi-Essen, der Haxenabend, der Gordon-Blööö-Bot und der Frauenabend: Unsere Zeitung schaute bei vier Fasnachtsanlässen vorbei.

15. Februar 2017, 07:05

Gnagi-Essen

Die Geschichte

Die Gnagi-Zunft wurde 1921 gegründet. Das Gnagi-Essen entstand im katholischen Umfeld und war ursprünglich ein Mahl für ärmere Leute. Heute ist es ein gesellschaftlicher Anlass erster Güte, der aus der Stadt Luzern nicht mehr wegzudenken ist und jährlich zur Vorfasnachtszeit stattfindet – nur für Männer.

Der «Frass»

Gnagi met Härdöpfu ond Suurchrut, umrahmt von Erbsensuppe und Cremeschnitte: Das ist der Gnagi-Frass nach altem Brauch. Daran wurde auch diesmal, am Montagabend im Casino, nicht gerüttelt. Gnagi sind gekochte, zersägte Schweins­wädli. Das Fleisch ist erstaunlich zart und schmeckt vorzüglich. Die Schwarte rundherum ist nicht jedermanns Sache. Ein Gnagi-Bruder habe 8 (!) Gnagis vertilgt, verkündete Gnagi-Vater Hans Pfister hochoffiziell. Wir vermuten: mit Schwarte.

Die Stimmung

Nach gesittetem Beginn im Mittelteil überbordend, fast schon euphorisch, danach bier- und weinselig sanft ausklingend.

Die Reden

Wegen des neuen US-Präsidenten, dem «Tubel», zahle man in den USA bald mit «Rubel», sagte Landschryber Guido Jacopino –um gleich auch Fifa-Präsident Infantino eins ans Bein zu ginggen. Der habe wegen seiner Idee mit 48 WM-Teams «gleich viel Hirn wie Haare auf dem Kopf». Auch für Toni Steffens «Schnitzelbängg» gabs viel Applaus. Sommaragu, die«alte Tante», wolle trotz dichter Schengen-Grenze noch mehr «Asilante», giftete Steffen und riet der Bundesrätin: «Würdsch gschider wieder s Klavier traktiere/Chönntscht’s besser als det z Bärn regiere.» Urs Liechtis brillante politische Betrachtungen waren fast zu klug räsoniert. Perlen vor die ... Gnagis geworfen? Politisch garantiert unkorrekt war Seppi Schärlis Einlage als «leichte Dame».

Der Höhepunkt

Schenkelklopfend lustig: In breitem Nidwaldner Dialekt erzählte Jost Käslin Witz um Witz. Etwa: Als Adolf Ogi einst die Psychiatrische Klinik St. Urban besuchte, hätten ihn die Insassen gefragt, wer er sei. «Ich bin der Bundesrot Ogi.» Darauf die Insassen: «Das wärdet’s der de do scho ustriibe.»

 

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

 


Haxenabend

Die Geschichte

Seit 2010 führt Wirt Thomas Häfliger mit Kompagnon Erich Peterer den «Haxenfrass» im Restaurant Obernau in Kriens durch – in Konkurrenz zum Luzerner Gnagi-Essen. Innert Kürze hat er sich zu einem Fixstern im Leben der feinen Krienser Gesellschaft entwickelt. Die Teilnahme ist ein Privileg. 342 Männer fanden diesmal am Montagabend Platz. 192 drehen wohl noch immer auf der Warteliste Däumchen …

Der «Frass»

Die Haxe – ein Schweinswädli am Stück, also nicht zerteilt wie in Luzern – war zart gegart und auf Kartoffelstock angerichtet. Haxenvater Häfliger übergoss sie persönlich mit Sauce. 420 Stück wanderten vom Schwein via Ofen auf die Teller.

Die Stimmung

Gutes Essen, kaltes Bier, bekannte Gesichter: Es wurde gelacht, gesungen und mitgeklatscht. Am ausgelassenen Treiben war das Fehlen von Kostümen das einzige Indiz, dass die Fasnacht noch gar nicht angefangen hat.

Die Reden

Werner «Pfödi» Amstutz wet­terte gegen Busverbindungen, Waldhütten und Gemeindefinanzen. Eigens aus den USA angereist war Donald Trump (alias Haxenvater Häfliger). Er bedankte sich dafür, dass es in Kriens weiter genügend Parkplätze gibt, damit er seinen «riesigen Charren» parkieren könne. Danach bat er die Haxenfreunde zu einer Schweigeminute für die Schweine. Schösu Hafner und Marcel Dogor boten besten Männerrunden-Humor. Ausgerechnet der «Wöschwiib»-Auftritt von Gemeindepräsident Cyrill Wiget fiel der Technik zum Opfer. Wigets von der Holzmaske gedämpfte Stimme wurde vom Mikrofon zum nahezu unverständlichen Rauschen verstärkt. Wenn das nur kein schlechtes Omen für künftige Rededuelle im Krienser Einwohnerrat ist.

Der Höhepunkt

Regierungsrat Paul «Schneewittchen» Winiker überzeugte mit seiner politischen Analyse: «Das mit den Parkplätzen ist so eine Sache. In Luzern gibt es dafür den Zauberer Borgula. Der frisst jeden Morgen einen Parkplatz.» Regional, pointiert, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen – Fasnacht in ihrer schönsten Form.

Manuel Burkhard

region@luzernerzeitung.ch

 


Gordon-Blöö-Bot

Die Geschichte

Ironie der Geschichte: Aus Frust über den ausverkauften Gnagi­frass «Ausverkauft!» gründete ein Dutzend festfreudiger Safränler die Zunft zu Gordon-Blööö Lozärn. Die Konterveranstaltung findet seit sieben Jahren im Café La Suisse, besser bekannt als «Doorzögli», statt.

Der «Frass»

Von «Frass» kann keine Rede sein! Die Schweinsplätzli mit Schinken und Käse, ummantelt von einer kross-würzigen Panade, sind ein Genuss! Kein Vergleich mit schwartigen Schweinswädli. Zweifellos haben Gerstensaft, helle Kafi und «Göggubronz» gewichtigen Anteil am kulinarischen Gesamterlebnis. Die Cremeschnitte indes haben die «Gordon-Blöödler» (Eigenbezeichnung) den Gnagis abgeschaut.

Die Stimmung

40 und ein paar Zerquetschte, mehr passen beim besten Willen nicht ins «Doorzögli». Auch am 7. Zunftbot war «full house». Schon nach einer Stunde lief der Motor höchsttourig. Laut, schrill, schräg, geniesserisch-gutmütig, sing- und spruchfreudig. Das passt ausgezeichnet zum Naturell von Peti Federer, Gordon-Blööö-Baba auf Lebzeiten.

Die Reden

Beachtlicher Anteil an Reimen! Mal träf und zielsicher, mal holpernd und hingewürgt – so muss es sein. Natürlich gabs auch reimfreie Büttenreden. Und Tiefschläge unter die Gürtellinie. Wobei die Lozärner neidlos feststellen mussten: Zürcher sind uns ebenbürtig. Der Zunftmeister zu Riesbach Nils Walt und sein Begleiter zündeten viele Pointen, auch selbstkritische: «Ihr Luzerner bekommt keine Salle Modulable. Wir Zürcher aber haben schon viel länger kein neues Kongresshaus.» Retourkutschen wie diese blieben nicht aus: «Der Gordon-Blööö-Zünftler denkt, der Zürcher nicht, er gleicht dies aus, indem er spricht.»

Der Höhepunkt

Highlight? Schwierig. «Der Vegi nimmt kein Blatt vor den Mund – er frisst es.» Zwei «teutsche» Schnauz-Metzger mit Doggwiler-Schürze servieren einen Schweinekopf. Auch dies ein Höhepunkt: Die Runde singt lauthals «Alles fahrt Schi!», der Baba mit Russi-Helm steigt auf die Latten – und Frau Holle beschneit das «Doorzögli» mit Schaumkanonen.

Jérôme Martinu

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

 


Frauenabend

Die Geschichte

Das gefrackte Direktorenpaar Thomas Häfliger und Erich Peterer stand zusammen mit Knie-Clown Spidi Spalier, als die Damen zum traditionellen Frauenabend aufmarschierten. Dieser Anlass wurde ins Leben gerufen, weil es nur sogenannte Herrenabende in der Vorfasnacht gab. Der erste Frauenabend im Krienser Restaurant Obernau wurde im Jahr 2012 ausgerufen und ist seither nicht mehr wegzudenken.

Der «Frass»

Während sich am Montag die Männer den Schweinereien hingaben, verköstigten sich die rund 180 Frauen – meist Wiederholungs­täterinnen – mit einer zarten Filetschlange vom Kaninchen, begleitet von Griessgnocchi. Zuvor gab es eine Gemüseterrine, umringt von zarten Sprossen. Und zu guter Letzt kam das Himbeerdessert, bedeckt mit vielen bunten Smarties in Herzform – schliesslich war ja gestern Valentinstag.

Die Stimmung

Vom Einlass in die Manege bis zum traditionsgemässen Abgang in den frühen Morgenstunden waren Humor, Witz und Tanz omnipräsent. Selbst die obligate Polonaise fehlte nicht. Auf dem Trockenen wurde nicht gesessen; Der flotte Service sorgte für Nachschub, und so blieben die Kehlen immer schön feucht. Das war auch nötig, denn es wurde palavert, was das Zeug hält. Themen in der männerfreien Zone hatte es ja genügend.

Die Reden

Da es sich nicht um einen Zunftanlass handelte, mussten sich auch keine Frauen mit Reden brüsten. Das Begrüssungswort wurde von den Direktoren gesprochen und gesungen. Und Roli Berner verlieh seiner Puppe Igor durch den Bauch eine Stimme. Es wurde herzhaft gelacht.

Der Höhepunkt

Da waren gleich mehrere: auf dem Teller und in der Manege. Als Komiker Marcel Dogar alias Frau Roggenmoser seine Leidenschaft als Putzfrau preisgab, brach schallendes Gelächter aus und wurde weiter abgetanzt.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

  • Neue Luzerner Zeitung AG
  • Neue Luzerner Zeitung AG
  • Neue Luzerner Zeitung AG

Diese Woche fanden in Luzern das Gnagi-Essen, und das Gordon Blöö, in Kriens der Frauenabend und der Haxenabend statt.


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: