Firmen verschmähen Toplage beim Bahnhof Luzern

STADT ⋅ Noch immer suchen die SBB einen Hauptmieter für die Grossüberbauung Rösslimatt direkt neben dem Bahnhof. Daher wird sich der Bau weiter verzögern.

16. Februar 2017, 05:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Das Areal Rösslimatt, auf dem sich heute Güterschuppen und Rangiergeleise befinden, liegt 400 Meter vom Bahnhof entfernt an prominenter Lage, mitten in Luzern. Das Areal umfasst eine Fläche von 4,2 Hektaren und soll zu einem lebendigen, dichten und urbanen Quartier entwickelt werden. Die SBB sind für den Gestaltungsplan des gesamten Areals verantwortlich. Das Projekt «Perron» ist dabei der erste Umsetzungsschritt.

Mit «Perron» sollen rund 20 000 Quadratmeter Bürofläche an attraktiver Lage realisiert werden. Zurzeit liegt der Gestaltungsplan Rösslimatt I bei der Stadt öffentlich auf. Er zeigt, dass entlang der Gleise ein fünfstöckiger Bürokomplex geplant ist.

Eröffnung ursprünglich für 2018 geplant

Die SBB gingen anfänglich davon aus, dass diese Flächen ab 2018 oder 2020 bezogen werden können. Doch der Zeitplan wurde mehrmals nach hinten verschoben, zuletzt wurde 2022 als Eröffnungstermin genannt. Jetzt kommt es erneut zu einer Verzögerung. Laut aktuellstem Terminplan soll mit dem Bau im Jahr 2020 begonnen werden. Damit wäre der voraussichtliche Bezug im Jahr 2023 möglich. Als Grund für die Verzögerungen gaben die SBB bereits früher feh­lende Hauptmieter und die länger dauernde Erarbeitung des Gestaltungsplanes an. Das Problem, dass die SBB noch keinen Ankermieter gefunden haben, besteht noch immer, wie die Bundesbahnen auf Anfrage mitteilen. Und solange es keine Firma gibt, die grössere Flächen in der Rösslimatt-Überbauung reserviert, wird mit dem Bau zugewartet.

«Die SBB sind nach wie vor auf der Suche nach Grossmietern für das Gebäude.»

«Masha Foursova, Mediensprecherin SBB

Ein Grund für die harzige Suche nach Mietern könnte sein, dass viele Firmen momentan lieber Büroflächen kaufen als mieten. Die SBB wollen an ihrer Strategie aber festhalten. «Ein Verkauf der Büroflächen war bisher kein Thema», sagte SBB-Medien­sprecher Reto Schärli gegenüber unserer Zeitung bereits letzten Juni. Daran hat sich seither nichts geändert, wie SBB-Mediensprecherin Masha Foursova bestätigt. «Die SBB sind nach wie vor auf der Suche nach Grossmietern für das Gebäude ‹Perron›. Dafür werden aktuell mit verschiedenen Interessenten Gespräche geführt.» Die SBB strebten hier eine «wirtschaftlich nachhaltige und langfristige Lösung» an, fügt Foursova hinzu. Die übrigen Baufelder auf der Rösslimatt sollen laut Terminplan etappenweise bis 2030 realisiert werden. Während das Projekt «Perron» ganz auf Büro­flächen konzentriert ist, werden in späteren Etappen vermutlich auch Wohnbauten ein Thema werden.

Gibt es Genossenschaftswohnungen?

SP und GLP haben bereits gefordert, dass eine allfäl­lige Wohnüberbauung auf der Rösslimatt auch gemeinnützigen Wohn­raum enthalten muss. Diesem Anliegen gegenüber ist auch der Stadtrat nicht abgeneigt. Bereits 2014 hielt er in einer Antwort auf eine Interpellation fest, dass er gemeinnützigem Wohnungsbau auf der Rösslimatt positiv gegenüberstehe. Ob eine solche Forderung nach Genossenschaftswohnungen bei den SBB Gehör erhält, ist allerdings offen. Masha Foursovo sagt dazu lediglich: «Die SBB streben eine stand­ortgerechte Durchmischung – in Abstimmung mit der Stadt Luzern – an.»

Hinweis

Mehr Infos gibt es unter: www.village-luzern.ch


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