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Greth Schell zieht Klein und Gross in ihren Bann

Viele Kinder pilgerten mit ihren Eltern wieder zum Zuger Casino, wo Greth Schell Kostbarkeiten verteilte. Dafür mussten sie aber laut schreien. Zoom

Viele Kinder pilgerten mit ihren Eltern wieder zum Zuger Casino, wo Greth Schell Kostbarkeiten verteilte. Dafür mussten sie aber laut schreien.

Am Güdelmontag lässt die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer das Zuger Stadtoriginal aufleben. Schreien ist wieder angesagt.

Die Anfänge des Greth-Schell-Strassenbrauchs reichen weit ins 18. Jahrhundert zurück. Seitdem die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer 1885 gegründet wurde, fungierte diese als Hüterin der alten Zuger Tradition. Der Brauch erzählt die Geschichte vom Stadtoriginal Greth Schell, wobei es mehrere Legenden zur historischen Person Schells gibt.

Die offizielle Version geht davon aus, dass Greth Schell Lehrerin war und zum vollen Namen Margarethe Schell hiess. Am Wochenende musste sie jeweils ihren weinseligen Mann in der Stadt abholen und in einer «Chrätze» auf dem Rücken nach Hause tragen, da es ihr Mann nach ausgiebigen Besichtigungen der Zuger Beizen nicht mehr so mit dem Gleichgewicht hatte. Doch die beiden waren auf ihrem Nachhauseweg nicht etwa alleine unterwegs, sondern sie wurden von den acht ebenfalls angeheiterten Saufkumpanen des Mannes, den sogenannten Löli, begleitet.

Am Güdelmontag lässt die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer das Zuger Stadtoriginal aufleben. Schreien ist wieder angesagt.

Gründe des Brauchtums nicht klar

Weshalb die Schreiner-, Drechsler- und Küfer-Zunft gerade diesen Brauch bewahren, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich, weil sich das eine oder andere Zunftmitglied nach dem Feierabendbier auch wünschen würde, von seiner Frau nach Hause getragen zu werden.

Wie dem auch sei, die neugierigen Kinder erschienen jedenfalls in Scharen, als die Zunft gestern zu ihrem alljährlichen Umzug einlud. Bevor die Greth-Schell-Gruppe unter musikalischer Begleitung der Zunftmusik vom Casino zum Restaurant Aklin tanzte, begrüssten die Zunftherren schon einmal die ersten Fasnächtler, indem sie Orangen und Mutschlis von der Terrasse des Casinos in die darunter stehende Menschenmenge warfen. Bei dieser Aktion konnten die Kinder nicht nur ihre Fähigkeiten als Fänger testen, sie wärmten mit den ersten «Greth Schällebei»-Rufen auch bereits ihre Stimmbänder auf. Denn um später während des Umzugs an die begehrten Orangen, Mutschlis und Würstchen zu kommen, mussten die Kinder laut «Greth Schällebei» rufen, worauf sie von den Löli aufgefordert wurden, noch lauter zu schreien. Schrien sie laut genug, erhielten sie die kleinen Geschenke. Allzu aufdringliche Sammler mussten allerdings damit rechnen, von den gefürchteten Süüblatere (Schweinsblasen) der Löli attackiert zu werden. Diese Erfahrung machte auch der siebenjährige Patrick Roth, als der Umzug beim Greth-Schell-Brunnen in der Altstadt einen kurzen Halt machte. «Es macht mir sehr viel Spass ganz laut zu schreien, aber bei den Löli muss man aufpassen, die können auch gemein sein und einem einen Streich spielen», sagte er. Auch die elfjährige Tanja Henggeler war nicht besonders gut auf die Löli zu sprechen: «Greth Schell hab ich gerne, sie hat mir ein Würstchen und gleich zwei Brötchen gegeben. Vor den Löli habe ich aber ein bisschen Angst, ihre Masken sehen ziemlich gfürchig aus.» Alles in allem war es ein gelungener Güdelmontag. So stellte auch Kari Abicht, Ehrenmeister der Zunft und seit stolzen 39 Jahren Mitglied, befriedigt fest: «Es ist toll, dass heute so schönes Wetter ist und so viele Leute gekommen sind. Das gibt immer eine gute Stimmung.»

Philippe Stalder

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