Kommentar

AfD: Poker mit ­hohem Einsatz

Deutschland-Korrespondent Christoph Reichmuth über den Verzicht von AfD-Chefin Frauke Petry auf eine Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl.
20. April 2017, 08:36

Kurz vor dem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) zaubert die Co-Vor­sitzende der Partei, Frauke Petry, eine Überraschung aus dem Hut: Sie verzichtet auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im Herbst. Petry ist das bekannteste Gesicht der rechtskonservativen Partei, in der seit Monaten Flügelkämpfe zwischen den Rechtsnationalen und den Liberalkonservativen toben. Petry wollte der AfD auf dem Parteitag an diesem Wochen­ende in Köln eine «realpoli­tische Strategie» verpassen. Die Partei solle gemässigt agieren, sich in der politischen Mitte positionieren und in ferner Zukunft Regierungs­verantwortung übernehmen.

Es war ihre Kampfansage an den radikalen Flügel in der Partei, der mitverantwortlich für den momentanen Sinkflug der AfD ist. Petrys strategiepolitisches Vorpreschen löste in der Parteispitze heftigste Empörung aus. Empörung, die vor allem Ausdruck tiefer Antipathien in der Partei ist. Petry-Anhänger und ihre Gegner können sich nicht ausstehen. Um Sachpolitik geht es im Kern da schon lange nicht mehr. Petry stand vor dem Parteitag völlig isoliert da.

Indem sie nun auf die Spitzenkandidatur verzichtet, geht sie einer Niederlage aus dem Weg und löst die Frage nach dem richtigen Kurs von Personal­debatten. Damit erhöht sie die Chancen, dass die Delegier- ten ihre Strategie am Samstag doch noch absegnen werden. Es wäre für sie ein Erfolg gegen den radikalen Flügel.

Petrys Verzicht ist wohl nur ein vorübergehender Rückzug, um den Einfluss der Radikalen zu schmälern. Doch Petry pokert hoch. Die Taktik könnte auch fehlschlagen.

Christoph Reichmuth, Berlin

nachrichten@luzernerzeitung.ch


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