Auf dem Buckel der Schwächsten

«Wettbewerb ohne Konkurrenz», Ausgabe vom 20. April
21. April 2017, 07:58

Die BLS will die SBB vermehrt konkurrieren. Wettbewerb nützt allen, so hört man immer wieder. Vergessen wird dabei immer wieder, dass der Wettbewerb fast ausschliesslich über den Preis stattfindet, nicht über die Leistung. Ein Beispiel: Das Behindertengleichstellungs­gesetz schreibt vor, dass in Zukunft alle Züge von Behinderten ohne Hilfe benutzt werden können. Dazu werden die Bahnperrons angehoben, und die Züge haben ebenerdige Türen. Ein ausfahrbares Trittbrett verhindert, dass Rollstuhlfahrer, aber auch sonst gehbehinderte Personen und Leute mit Gepäck oder Kinderwagen im Spalt zwischen Türe und Perron hängen bleiben.

So weit, so gut. Aber: Bei den neuen Flirt-Zügen der SBB sind alle Türen mit solch ausfahrbaren Trittbrettern ausgerüstet, bei den neuen BLS-Zugkompositionen (etwa auf der Linie Luzern–Entlebuch–Bern) dagegen nur gerade eine Tür pro Kombination. Das heisst für alle Mobilitätsbehinderten: Entweder warten sie zufällig an der richtigen Stelle, oder sie müssen bis zur richtigen Türe rennen oder den gefährlichen Sprung über den Spalt wagen. Es ist zu befürchten, dass bei verstärktem Wettbewerb im öffentlichen ­Verkehr wieder einmal die Schwächsten unserer Gesellschaft die Leidtragenden sind.

Armin Kull, Emmenbrücke

Anzeige: