Zeitgeist

Das Luzerner Wort des Jahres

Domink Buholzer über den Sprachgebrauch und aktuelle Debatten.
10. Dezember 2017, 04:38

#metoo wurde in der Schweiz zum Wort des Jahres gekürt. Das Wort wirke 2017 wie kein zweites, schreibt die Jury und erklärt: «Es zeigt an; es zieht lange Verdrängtes ins Licht, es schliesst soziale Medien und öffentlichen Diskurs kurz. So findet es innert Tagen vom Filmgeschäft in Hollywood in den Alltag hier und jetzt – auch in der Schweiz. Hier ist #metoo das Wort, das sich 2017 viral verbreitet hat.» Auf Platz zwei finden wir die Wortschöpfung weglachen, die gespielte Heiterkeit, und auf Platz drei folgt Influencer. Gemeint sind Personen, die auf Social Media gegen Geld ihre Follower für ein Produkt zu gewinnen versuchen.

Regionale Auswertungen gibt es nicht. Wir können also nur mutmassen. Für Luzern gibt es allerdings nicht so viele Möglichkeiten. Das Luzerner Wort des Jahres müsste Steuerstrategie sein. Oder budgetloser Zustand. Einen grossen Unterschied macht dies nicht. Beide Begriffe haben in den vergangenen Monaten die öffentliche Debatte geprägt. Dabei ist es bei beiden wie mit den Influencern: Sie standen auch schon höher in der Gunst des Publikums.

Anschauungsunterricht dazu gab es in den vergangenen Tagen gleich stundenlang. Auf der Traktandenliste des Luzerner Kantonsrats stand die Budgetdebatte. Das Parlament leistete sich zwar nicht mehr die Blösse eines budgetlosen Zustandes wie zuletzt. Wirklich erbauend war die Diskussion aber nicht. Die Debatte bestand in erster Linie aus einem gegenseitigen Austausch an Vorwürfen.

Zuletzt musste auch noch Finanzdirektor Marcel Schwerzmann nachtreten. Im Interview mit unserer Zeitung warf er den Linksparteien vor, sie seien ideologisch verfangen und würden nicht konstruktiv mitdiskutieren – als ob man von bürgerlichen Parteien nicht das Gleiche behaupten könnte. Nur dass sich diese in der Steuerfrage mehr oder weniger hinter die Pläne der Regierung stellen. Parteipolitik besteht aus Interessensvertretung. Gerade diese Mehrstimmigkeit macht Demokratie so spannend.

Sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, bringt wenig und schon gar nicht die Kantonsfinanzen wieder ins Lot. Es ist offensichtlich, dass es in der Luzerner Finanzpolitik an einem Brückenbauer fehlt.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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